Die Algarve...

Dienstag, 4. Mai 2004

Proviant bunkern und auf nach Portugal

Klaus:
Mittlerweile hat es sich als optimal erwiesen, wenn wir einmal in der Woche einen Großeinkauf machen - denn genau so viele Lebensmittel können wir in den Schränken unseres Busses bunkern und sparen uns damit die täglichen, kleinen Einkäufe. Das bedeutet aber auch, dass das letzte Frühstück vor einem solchen Einkauf dann oft recht dürftig ausfällt, wobei heute früh selbst für eine dürftige Mahlzeit nicht mehr genug da war, so dass wir beschlossen, nach einer schnellen Tasse Kaffee erst einzukaufen und uns danach ein schönes Plätzchen für das Frühstück zu suchen.

Über eine Stunde arbeiten wir uns durch den riesigen Carrefour, Gang für Gang wird durchforstet und unser Wagen füllt sich zusehends. Nach der Kasse haben wir acht große Plastiktüten sowie einen 8-Liter-Kanister Wasser - ein neuer Rekord! Eine hehre Aufgabe für unsere Proviantmeisterin, dies nun alles im Bus zu verstauen, ohne dass etwas herumfliegt oder während der Fahrt klappert oder stört.

Dafür schmeckt das folgende Frühstück noch mal so gut: Auf frischem Baguette türmen sich verschiedene Schinkensorten und ein Block mit altem Queso Manchego wartet darauf angeschnitten zu werden. Frischer Joghurt ist auch wieder da und abgerundet wird alles durch eine gute Tasse Nescafé.

Man glaubt es ja nicht, aber mittlerweile scheint auch wieder die Sonne und die Temperaturen gehen schnell auf 24, 25 Grad hoch. So überqueren wir die Brücke über den Guadiana und erreichen nach genau 5.000 km Portugal. Mit einem großen Plakat über der Straße werden wir bereits zur Fußball-EM willkommen geheißen - von der wir leider nicht viel mitbekommen werden, da wir uns dann bereits in den Vereinigten Staaten aufhalten werden.

Unser Campingplatz in Albufeira ist schnell gefunden und  von hier werden wir in den nächsten Tagen unsere Touren durch die Algarve durchführen.



Tonnenweise Lebensmittel werden zurück zum Bus gekarrt ...


... und Petra stellt sich der logistischen Herausforderung, alles  zu verstauen


Camping Albufeira glänzt durch seine hervorragenden Sanitäreinrichtungen - nicht immer Standard auf Campingplätzen

Mittwoch, 5. Mai 2004

Wir sind nicht die einzigen VW-Bus Traveller!


Durch die engen Gassen von Alte


Portugisische Straßenführung ...


Kaffeepause

Klaus:
Welch ein Zufall. Direkt neben uns auf dem Campingplatz steht ein Paar aus Kanada, die ihren VW-Bus vor drei Wochen nach England verschifft haben und nun für ein Jahr in Europa unterwegs sind. Für uns natürlich eine tolle Gelegenheit, sich
zu unterhalten und Tipps auszutauschen: Wie regelt ihr das mit der Gasversorgung? Was habt ihr mitgenommen und was besser zu Hause gelassen? Wie klappt es am besten mit dem Handy in USA? Wie sind die Campingplätze in den Staaten? Wie pflegt Ihr Eure Homepage? So haben wir uns beispielsweise direkt notiert, nach USA einen kleinen Bildband von Deutschland mitzunehmen, um den Amerikanern zeigen zu können, wie es bei uns zu Hause aussieht. Und über den Pin mit der Fahne von Alberta in Kanada und der Polizei von Calgary haben wir uns natürlich auch gefreut - sicherlich eine gute Möglichkeit, als positiver Botschafter seines Landes unterwegs zu sein. 

Wieder einmal zeigen sich die Vorteile unseres kleinen Busses: Schnell haben wir alles sicher verstaut und das Dach runtergeklappt und so kann es losgehen zur ersten Tour durch die Algarve. Hinein ins Landesinnere führt uns der Weg, entlang der Orangenhaine und Olivenfelder. Mit Alte erwartet uns ein kleines portugiesisches Dörfchen mit engen Gassen und weißgekalkten Häusern. Wir binden uns die Wanderschuhe, ziehen Regenjacken an (der Regen hat uns mittlerweile wieder) und wandern knapp zwei Stunden durch das hügelige Hinterland, bevor wir es uns zu einer Kaffeepause an einem kleinen Quellfluss gemütlich machen. 

Zurück führt uns der Weg über Loulé und der 1974 am Reißbrett erbauten Ferienstadt Vilamoura mit seinem gigantischen Jachthafen. Abends leeren wir bei einer leckeren Gemüsepfanne noch die ein oder andere Dose San Miguell und lassen es uns mal wieder - so wie immer eigentlich - richtig gut gehen.

Donnerstag, 6. bis Sonntag, 9. Mai 2004

Die Algarve: Albufeira - Lagos - Sagres -  Cabo de Sao Vicente


Auch nach 6 Wochen immer noch gut drauf!

Albufeira - bizarre Felsformationen

Der erste Strandtag im Projekt 2004!
 Lagos am Dona Ana Strand

Die Küste bei Lagos ...

... unbeschreiblich schön!

Werder Bremen gewinnt gegen Bayern München und wird Deutscher Meister - und wir sind live dabei!

Ponte da Piedade
In Lagos erwischen wir einen Sonnen- und Sommertag - zum ersten Mal liegen wir in diesem Projekt am Strand. Herrlich - und das bei dieser Umgebung - ein wunderschöner Tag! Am Abend beschließen wir ihn stilvoll mit einem Essen mit Blick auf die bizarren Felsen.
Der Leuchtturm bei Lagos

Joggingstrecke mit atemberaubenden Ausblicken

Das Ende der antiken Welt - Capo de Sao Vicente 

"Die letzte Bratwurst vor Amerika"



Montag, 10. Mai 2004

Auf den Spuren der Brandkatastrophe 2003


Klaus:
Auf den ersten Blick will man gar nicht glauben, dass hier im letzten Jahr einer der schlimmsten Waldbrände in der Geschichte Portugals gewütet hat. Tausende Hektar Korkeichen-Wälder waren im Jahrhundertsommer 2003 den Flammen zum Opfer gefallen. Und heute erobert sich die Natur schon wieder ihr Territorium zurück. Scheinbar verkohlte Korkeichenbäume schlagen aus, die Pinien bekommen ein frisches grünes Dach und unaufhörlich treiben von unten junge Zweige aus den Stämmen der Zedern. Im Unterholz bildet sich ein grüne Decke aus Gras und leuchtend blühenden Blumen. Die Serra de Monchique erwacht zu neuem Leben! Solange, bis in zehn Jahren vielleicht wieder ein unachtsamer Autofahrer eine brennende Zigarette aus dem Fenster wirft oder ein Grundstücksspekulant ein bisschen zündelt ...

Der Regen wäscht die Luft sauber und im Licht der durch die Wolken brechenden Sonne erstrahlt die frische Blüte der Serra. Die Bäume hängen voll mit gelben Zitronen und den frischen Orangen, die hier direkt am Straßenrand verkauft werden. Nur, dass das Außenthermometer gerade mal 12 Grad anzeigt, will man nicht so recht glauben, wenn man bedenkt, dass bereits Mitte Mai ist. Da hilft auch nicht weiter, wenn einem jeder versichert, dass das ein völlig untypisches Wetter für diese Jahreszeit sei.

Wir sind wieder aufgebrochen. Von nun an geht es immer Richtung Norden. Noch schnell kaufen wir ein paar Kleinigkeiten in Albufeira ein, stellen die aktuellen Dateien ins Internet und sind dann auf der Straße erst in die Serra de Monchique und dann entlang der portugiesischen Westküste Richtung Lissabon. Doch bis dahin schaffen wir es heute nicht. Ein Abstecher an die wilde Westküste veranlasst uns zu einer kleinen Wanderung und dem anschließenden Aufenthalt auf dem Campingplatz von Vila Nova de Milfontes.


Campingplatz "Parque de Campismo de Milfontes"


Wie Phoenix aus der Asche: Die Serra de Monchique erwacht zu neuem Leben


Die wilde Westküste Portugals bei Vila Nova de Milfontes ...


... wird für so manches Schiff zum Schicksal


und wir gönnen uns eine ruhige Stunde mit dem Buch am Strand


Fazit nach 6 Wochen "Projekt"

Petra:
Nun sind wir genau 6 Wochen unterwegs. Und immer noch macht es Spaß und ich habe bisher nichts bereut. Zwar suchen wir die Sonne des Südens irgendwie nach wie vor vergeblich (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel), trotzdem sind wir viel draußen und haben schon unheimlich viel gesehen. Mit dem Wetter habe ich es mir schon anders vorgestellt, aber das können wir leider nicht beeinflussen. Das Wetter war bisher auch der einzige Grund, weswegen ich mir einen schlechten Laune- und einen Frust-Tag gegönnt habe. Ansonsten klappt alles wunderbar, wir gehen uns nicht auf die Nerven, sondern genießen die viele Zeit, die gemeinsamen Eindrücke und Erlebnisse unterwegs.  

Bis heute haben wir 17 verschiedene Campingplätze gehabt, sicherlich waren nicht alle vom feinsten und es gab auch hier und dort einen, der - laut ADAC-Campingführer ausgedrückt - 'unzureichende Sanitäreinrichtungen' hatte, aber glücklicherweise hat noch keiner bis jetzt Pest- oder Ekelbeulen hervorgebracht. Im großen und ganzen waren die meisten ganz ok und einige sogar toll! Auch den befürchteten 'Buskoller' habe ich bis heute nicht bekommen. Wenn man mit so einem kleinen VW-Bus unterwegs ist, muss ständig alles weggeräumt und umgebaut werden. Vor dem Schlafengehen muss er umgebaut werden und morgens dito. Auch zum Essen ist es etwas aufwändig, bis der Tisch steht, dann sollte man auch alles vorher aus dem Schrank geräumt haben, da man sonst wieder den Tisch abbauen muss usw. Egal - wir arrangieren uns, schließlich ist das nicht unser erster Urlaub mit dem Bus, so dass wir immer perfekter organisiert werden. Der Staub macht uns - vor allem Klaus mit seinem Heuschnupfen - etwas zu schaffen. Da immer die Türe auf ist, haben wir unglaublich viel Dreck und Staub bei uns. Wenn wir gar einen Campingplatz am Strand haben, ist alles voller Sand. Am Schlimmsten ist es bei Dauerregen, wenn man sich auf einem Matschplatz wiederfindet und man ausschließlich mit Badeschlappen draußen herumlaufen kann. Dann bekomme ich schon mal eine Krise. Wenn man Pech hat, versaut man sich dann einfach alles. Ansonsten wird ständig gefegt (bei 1,5x1 Meter nicht viel), und hin und wieder versuchen wir die Polster und den Teppich vorne zu entstauben, was natürlich ein Kampf gegen Windmühlen ist. Zweimal gab es hier große Wäsche - auf vielen Campingplätzen kann man waschen und trocknen - hier in Portugal haben sie sogar eine Wäscherei - tolle Sache!

Völlig begeistert bin ich auch über die Möglichkeit, über Internetcafes zu kommunizieren und sogar die Homepage zu aktualisieren. So kann jeder - wer möchte - uns unterwegs begleiten. Gerade für meine Eltern ist dies sicherlich eine schöne Sache. 

Auch wenn Klaus bei meinem schlechte Laune- und Frust-Tag meint, es wäre seine Schuld, weil er unbedingt das Projekt wollte, so wären wir wohl nicht gefahren, wenn ich es nicht auch gewollt hätte. Ich finde es toll, einfach in den Tag hineinzuleben, maximal bis morgen zu denken. Probleme wälzen wir nicht, einen genauen Plan oder Ablauf müssen wir auch nicht einhalten. Wenn es uns irgendwo gefällt, bleiben wir einfach ein paar Tage länger und wenn wir etwas anderes machen möchten, machen wir es. Wir belasten uns nicht mit irgendwelchen Problemen, die man zu Hause und im Arbeitsleben zwangsläufig hat. Kein Terminstress - nichts! Eine herrliche Sache!

Sicherlich finden es einige ungewöhnlich oder zeigen Unverständnis, wie man in einem so kleinen Auto wochen- und gar monatelang unterwegs sein kann. Klar - auch uns fehlt eine Toilette an Board und ein festes Bett wäre klasse, aber wenn man die vielen Vorteile eines kleinen Autos sieht, dann möchte man nicht mit den tollen Luxusmobilen, die wir unterwegs oft sehen, tauschen. Wir können beinahe jede Straße mit unserem Auto fahren, und im Süden sind die Straßen oft sehr schmal, sobald man die Bundesstraßen verlassen hat. Wie oft passiert es, dass wir plötzlich wieder in einem Ort oder auch einer Stadt hängen, wo die Straßen winzig eng werden - teilweise sogar, wenn wir die sogenannten Bundesstraßen fahren. Wir haben dadurch schon unglaublich viel von der Gegend gesehen, es ist gigantisch, was für tolle Landschaften wir bereits durchfahren haben. Viele, viele Touren hätten wir mit einem großen Wohnmobil oder mit einem Anhänger niemals machen können. Und wie man bei unseren Campingplatz-Nachbarn aus Kanada sieht, kann man mit einem VW-Bus ein Jahr unterwegs sein - auch wenn man älter ist als wir. Diese Begegnung hat mir unheimlich viel gebracht, zu sehen, dass - und wie - auch andere Leute auf die gleiche Weise das umsetzen, was wir geplant und in den nächsten Wochen weiter durchführen möchten. 
 

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