Lissabon und die westliche Atlantikküste ...



Dienstag, 11. Mai 2004

Tour de Lissabon

Klaus:
9:30 Uhr am Morgen: Ich stehe vor dem Supermarkt unseres Campingplatzes und will frisches Brot und eine neue Gasflasche kaufen - aber alles geschlossen: Supermarkt, Restaurant und auch die Rezeption. Was ist los? Also gibt es heute zum Frühstück Schwarzbrot. Erst viel später, als wir schon längst in Lissabon sind, wird uns bewusst, dass in Portugal die Uhren eine Stunde nachgehen. Und das registrieren wir erst am siebten Tag unseres Aufenthaltes hier!!!

Entlang der Küste - von der wir allerdings nicht allzu viel sehen - geht es durch eine Art riesige Dünenlandschaft. Feiner Sand zu beiden Seiten der Straße, bewachsen mit hohen Pinien und Gras, schaffen interessante Kontraste. Als wir dann durch ein Dorf kommen, in dem sich auf jedem Strommast und auf einigen Hausdächern große Nester mit Störchenpaaren befinden, müssen wir erst  einmal einen Fotostop einlegen.  

Von Troia gelangen wir mit der Fähre hinüber nach Setubal und finden nach einigem Suchen auch endlich die richtige Straße nach Lissabon. Dank unserer Verona ist der Campingplatz schnell gefunden, so dass wir gegen 15:00 Uhr überlegen, was wir am besten mit dem Rest des Tages anfangen.

Petra:
Völlig unbedarft schwingen wir uns auf unsere Räder und strampeln los. Das macht auch nur jemand, der noch nie zuvor in Lissabon war. Diese Stadt ist mitten einer Hügellandschaft entstanden und so geht es ständig auf und ab... Am Hafen angekommen, erwischen wir die erste von heute unzähligen Schnellstraßen - gut das wir  hier als absolute Exoten gelten (wer fährst schon in Lissabon Fahrrad), so dass die Autofahrer - solche Anblicke sicherlich nicht gewöhnt - sehr rücksichtsvoll fahren. Wir stellen die Räder ab und marschieren los.

Ohne Reiseführer aber mit einem Straßenplan ausgestattet besichtigen wir Lissabon. Auch einen sehr schönen botanischen Garten sehen wir uns an und gönnen uns ein wenig Ruhe in der großen Stadt. Nach knapp 6 Stunden fahren wir gemütlich am Hafen entlang Richtung Seefahrerdenkmal, bis die Gemütlichkeit ein jähes Ende findet: die Hafenstrasse wird zu einer vierspurigen, stark befahrenen Schnellstrasse, wir treten voll in die Pedale und schaffen irgendwann die Kurve, bis wir heil auf der Promenade angelangt sind. Schnell noch Fotos von der "Golden Gate Bridge" von Lissabon (hier heißt sie "Ponte 25 de Abril") sowie Seefahrerdenkmal und Entdecker-Karte. 

Dann machen wir uns auf den Rückweg. Kurz vor dem Campingplatz geraten wir noch in den Spaghetti-Knoten aller Schnellstraßen dieser Stadt. In den Schuhen habe ich fließendes Wasser - zum einen der Schweiß vor lauter Anstrengung und der kalte Angstschweiß, der mir den Rücken herunterschießt. Nach 21 Uhr stehen wir erschöpft aber glücklich wieder an unserem Bus - puh, das war heikel! Unsere Campingplatz-Nachbarn aus Bergheim laden uns noch zu einem Glas Wein ein und so beenden wir den ereignisreichen Tag bei nettem Geplauder.


Das Fahrrad ist vielleicht nicht Tour de Lissabon reif, dafür aber die Fahrerin


Storchennest


Camping "Parque Municipal de Campismo de Monsanto" in Lissabon

 
Elevador de Gloria und Botanischer Garten "Parque Mayer"


Die "Golden Gate Bridge" von Lissabon


Die "Entdecker-Karte" - Wahrzeichen Lissabons und Portugals


Mittwoch, 12. Mai 2004

Seit genau 7 Wochen bin ich zwar nicht arbeitslos, dafür aber die Arbeit los


Die wilde Atlantikküste bei Ericeira


Camping "Parque de Campismo de Santa Cruz"


Romantik ist das, was man daraus macht


Klaus:
Nachdem wir ja wussten, dass uns eine Stunde geschenkt wurde, schlafen wir diese auch prompt länger. Schön! Dafür ist das Folgeprogramm entsprechend anstrengend. Unser Campingplatz auf dem Monsanto liegt so wunderschön im Wald, so dass wir die Gelegenheit nutzen, um bergauf und bergab zu joggen. Erst um 15:00 Uhr fahren wir weiter - und wie es stets in Großstädten ist, dauert es eine Ewigkeit, bis man die richtige Straße gefunden hat und noch lange danach quälen wir uns mit dem Auto durch die Lissabonner Vorstädte, die sich bis weit an den Atlantik ziehen und die Fahrt mühselig machen. Zwischendurch suchen wir einen Supermarkt auf, kaufen Grillfleisch für heute Abend und Gehacktes, um Frikadellen zu machen. Doch einen Moment nicht aufgepasst und wohl doch nicht so perfekt Portugiesisch gesprochen und schon haben wir über ein Kilo Gehacktes in der Tüte. Na, was soll's wir werden dafür schon Verwendung finden.

Leider ist der heutige Campingplatz recht katastrophal. Was sich von außen nicht offenbarte, ist ein portugiesischer Dauercampingplatz, an dem die Wohnwagen fast nahtlos aneinander stehen, Vorzelte und Küchenzelte auch noch das letzten Flecken Grün überdecken und für Durchreisende wie uns nur ein kleines Fleckchen am Rande übrig bleibt. Doch wie immer machen wir das Beste daraus: Grillen fällt zwar aus, dafür gibt es frische Frikadellen und Petras leckren Nudelsalat - das ganze eingenommen auf einem romantischen kleinen Platz oberhalb unseres Busses. 

Donnerstag, 13. bis Samstag, 15. Mai 2004

Wie süß ist es, den ganzen Tag lang nichts zu tun und danach zu rasten
(aus dem Buch Die Kinder von Torremolinos - Michener)

Petra:
Wir nehmen uns vor, heute ein ganzes Stück zu fahren, vielleicht bis nach Nordspanien. Unterwegs fahren wir über Peniche zum Cabo Carvoeiro, wo wir eine felsige und raue Küstenlandschaft vorfinden. Vorbei geht es an Obidos, einer Stadt, die auch heute komplett innerhalb der alten Stadtmauern liegt. Aber bereits nach knapp 70 km beschließen wir, einen Strandtag einzulegen. Das Wetter ist herrlich, die Sonne lacht. Also parken wir kurzentschlossen an einem schönen Strand und bauen unsere Strandmuschel auf. Schließlich ist der Wind in diesem Projekt unser treuer Begleiter. Gemütlich wird gelesen, gefaulenzt, sich gesonnt und ein leckeres Mittagspicknick gehalten. Wir haben von gestern ja noch Nudelsalat mit Frikadellen!

Nach 3 Stunden Sonnenbad wollen wir endlich Strecke machen, aber bereits nach 10 km fahren wir an einer traumhaften Bucht in Sao Martinho do Porto vorbei, an der direkt ein Campingplatz liegt. Wir sind uns sofort einig, dass wir den Nachmittag an dieser Bucht entlang laufen und hier abends den herrlichen Blick und Sonnenuntergang beobachten möchten. Schön, wenn man seine Pläne von jetzt auf gleich einfach über den Haufen werfen kann. 

Gesagt - getan. Nach unserem Spaziergang und einem weiteren kurzen Sonnenbad sind wir so versandet, dass wir zwingend eine Dusche vor dem Abendessen brauchen. Was tun, wenn nur kalte Duschen vorhanden sind? Wir springen über unseren Schweinehund und sind nach der kalten Dusche stolz wie Oskar, dass wir so harte Typen sind...

Am Freitag nehmen wir uns aber ganz fest vor, heute Portugal hinter uns zu lassen. Unterwegs stoppen wir an der Küste und bewundern die langen Sandstrände und interessanten Felslandschaften, die man hier am Atlantik vorfindet. Wir fahren über toll ausgebaute Straßen und diskutieren, ob diese nun von EU-Geldern gebaut wurden oder nicht. (Klaus - tolle Straße - der Radweg war bestimmt Bedingung, dass sie die EU-Gelder bekommen. Petra - die hatten sicherlich schon vor der EU Straßen und sind nicht über Waldwege gefahren). Kurz nachdem ich meinen Standpunkt erläutert habe, wird diese tolle Straße eine der schlimmsten Hubbelpisten, die mir als offizielle Straße je untergekommen ist und ich sitze völlig entnervt über mehrere km in unserem sich schüttelndem und laut quitschendem Auto. Klaus versucht mich mit furchtbar lautem und schiefem Gesang von dieser Quitscherei abzulenken, aber er kommt nicht gegen unseren Bus an.

Endlich wird auch diese Straße wieder befahrbar und wir stoßen auf die N-109 (Bundesstraße), die sich aber auch als nervtötend erweist, da nun drei LKWs vor uns fahren und wir auch hier wieder den Schlaglöchern ausweichen müssen. Kurzerhand fahren wir bei Praia de Mira ab und erreichen gegen 15:00 Uhr einen herrlichen See mit toll angelegten Picknickbänken. Schnell ist der Kaffee gekocht und wir machen erst einmal unsere Kaffeepause. Dann beschließen wir auf dem gegenüberliegenden Campingplatz zu bleiben und spazieren gemütlich um den See herum. Stege führen durch das Schilf, es ist alles unheimlich nett angelegt. Wir sind begeistert. Die Begeisterung wird noch größer, als wir auf den Campingplatz fahren. Der schönste Platz, den wir auf dieser Tour hatten, wird von uns bezogen. Wir stehen direkt am Wasser und haben eine traumhafte Sicht von unserem Bus. Spontan kommen wir überein, hier auch den morgigen Tag zu bleiben. Hinter dem Gewässer sehen wir auf die Dünen und das Meeresrauschen dringt bis zu uns herüber. Nur das Quaken der Frösche, das Schnattern der Enten und das Gezwitscher der Vögel ist lauter.

So verbringen wir auch den nächsten Tag in Portugal, faulenzen, spazieren am Meer entlang und freuen uns immer wieder an der tollen Aussicht, die wir von unserem Platz genießen dürfen. Nachmittags joggen wir um den See und verdienen uns so unser Abendessen. Dabei sehen wir mehrere Frauen, wie sie am See ihre Wäsche waschen!

Aber morgen verlassen wir ganz bestimmt Portugal ...


Kann man noch schöner sitzen?


Cabo Carvoeiro bei Peniche


Picknick am Strand


Campingplatz "Parque de Turismo Baia Azul"

 
Küstenlandschaft unterwegs


Köffchen-Pause bei Praia de Mira an einem herrlichen See


See-Idylle


Campingplatz "Camara Municipal de Mira" 



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