Auf dem Jacobsweg nach Santiago de Compostela ...



Sonntag und Montag, 16. und 17. Mai 2004

In und um Santiago de Compostela

Klaus:
Seit dem Mittelalter zieht es jedes Jahr Millionen Menschen in diese Pilgerstadt  im Nordwesten Galiciens. Im Jahre 813 wurde hier angeblich der Leichnam des Apostels Jacobus entdeckt und ihm zu Ehren wurde die berühmte Kathedrale von Santiago de Compostela errichtet. 

Schon bevor wir die Stadt erreichen, sehen wir die ersten Jakobspilger entlang der Straße - zu erkennen an der Jakobsmuschel, die am Pilgerstab oder am Rucksack befestigt ist sowie an den breitkrempigen Filzhüten, die vor der brennenden Sonne Schutz bieten sollen. Und die Sonne tut heute wirklich ihr Bestes - als wir den Campingplatz erreichen, sind es über 30 Grad im Schatten. Doch statt uns bei einem kühlen Getränk im Schatten von den Strapazen der langen Autofahrt zu erholen, zieht es uns die Altstadt von Santiago -
entlang der letzten Kilometern des Pilgerpfades. Eine prachtvolle Kathedrale erwartet uns. Selbst ich, der für Kirchen wenig bis gar nichts am Hut hat, bin fasziniert: die Fassade ist herrlich verziert ohne überladen zu sein, die Bausteine strahlen in einem kalten Grau, überzogen von feinem, grüngelben Moos und teilweise ranken sich in den Nischen der Kirche grüne Gräser - selbstbewusste Dominanz, die keiner arroganten Schnörkel bedarf, um die Blicke auf sich zu ziehen. Welch ein Gefühl muss es für die Pilger von damals und heute gewesen sein, am Ende aller Strapazen, die eine solche Reise mit sich bringt, am Ziel anzukommen?

Am nächsten Tag entpuppt sich der "kleine" Ausflug an die Küste als eine ordentliche Fahrtstrecke. Es geht entlang der Costa da Morte - der Küste des Todes - die ihren Namen von den vielen hier zerschellten Schiffen erhalten hat, die den Stürmen der Küste nicht trotzen konnten und auf die Felsen liefen. Doch heute präsentiert sich die Küste in herrlichem Sonnenschein und vom Tod ist hier nichts zu spüren. Vielmehr faszinieren uns die kleinen Häuschen, die hier in vielen Vorgärten zu finden sind und mich eher an eine Mischung aus skandinavischen Vorratshäusern und thailändischen Tempeln erinnern. Die wahre Bewandtnis haben wir nicht herausgefunden, vermuten aber, dass es sich um auf Stelzen stehende Vorratshäuser handelt, die das Eindringen von Mäusen und Ratten verhindern sollen.

Am Abend finden wir uns wieder auf dem Campingplatz von Santiago de Compostela ein - und Morgen geht es weiter entlang dem Weg der Jakobspilger. Nur in umgekehrter Richtung, nämlich Richtung Frankreich. Man sieht, wir nähern uns so langsam wieder den heimatlichen Gefilden!


Campingplatz "As Cancelas" in Santiago de Compostela
www.campingascancelas.com

 
Die berühmte Kathedrale von Santiago de Compostela - Im Original viel beeindruckender wie als Photo (das gleiche gilt für die nette junge Dame auf dem rechten Bild)


Die Küste der Costa da Morte ...


... wurde so manchem Schiff zum Verhängnis


Kaffeepause mit Blick auf das Cabo Fisterra


Wie kleine Kirchen sehen die rätselhaften Häuschen aus, die in vielen Gärten stehen



Dienstag, 18. Mai 2004

Der Jakobsweg - eine Versuchung für das nächste "PROJEKT"


Entlang des Pilgerweges ...


... und alten Kirchen ...
(man beachte bitte den Storch auf dem Dach)

Klaus:
Ich bin begeistert. Den ganzen Tag folgen wir dem Camino de Santiago - der französischen Alternative des Pilgerweges, der sich über 750 km von Frankreich bis nach Santiago de Compostela zieht. Während wir mit dem Auto die Höhen der Montes de León überqueren, kommen uns auf den 250 km, die wir heute fahren, bestimmt 200 - 300 Wanderer und Radfahrer entgegen. Viele von ihnen werden sicherlich erst in 10 Tagen dort ankommen, wo wir heute früh losgefahren sind. So erschöpft die Gesichter der Entgegenkommenden auch sind, so freundlich erwidert doch fast jeder unseren Gruß.

Was passt an einem solchen Nachmittag besser, als einen Campingplatz aufzusuchen, der auch noch den Namen "Camino de Santiago" trägt? Hier kann ich den Stich der Biene auskurieren, die mich heute recht schmerzvoll während der Fahrt in der Schulter erwischt hat (und dabei vielleicht von einem neuen Projekt träumen - 2 Monate dem Weg der Jakobspilger folgen ...).


... bis zum Campingplatz "Camino de Santiago" kurz vor León



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