Der Panhandle Floridas ...



Mittwoch, 10. November 2004

Im Katastrophengebiet

Klaus:
Mississippi und vor allen Dingen der Buccaneer State Park werden mir aus einem Grunde immer besonders in Erinnerung bleiben: Wegen der Herrentoiletten! Wir haben uns schon häufig abends beim Bierchen Gedanken darüber gemacht, einmal einen "Restroom-Führer" (das Wort "Toilette" benutzt man ja in USA nicht) zu den einzelnen Campingplätze zu schreiben. Was gäbe es da für nette Geschichten zu berichten über nicht abschließbare Türen, Türen, die so niedrig sind, dass man drüber schauen kann, wenn man auf der Schüssel hockt bzw., die unten so stark gekürzt sind, dass andere Waschraumgäste zwar den Kopf nicht sehen, dafür aber den Rest des Körpers. Oder die typischen ein Zentimeter breiten "Sehspalte" links und rechts der Türen, oder die hübschen Modelle aus den Siebziger Jahren, die in jedem Jahr von rund 500.000 Menschen aufgesucht werden, oder ... In diesem State Park kommt noch ein Highlight ganz anderer Art hinzu: man ist dazu übergegangen, ganz auf Türen zu verzichten!!! In einem Waschhaus gibt es wenigstens Duschvorhänge, die man vor die Nische ziehen kann, ansonsten könnte man sich bequem mit seinem Gegenüber unterhalten, der sich gerade am Waschbecken rasiert. Also, wenn es etwas gibt, worauf wir uns zu Hause in unserem eigenen Heim besonders freuen, dann sind es die schönen Restrooms - oder dürfen wir dann auch wieder Toilette sagen?

Wir fahren weiter entlang der Küste des Golf von Mexiko, überqueren recht schnell die Grenze nach Alabama und kommen kurze Zeit später nach Florida. Bereits am Visitor Center von Florida sehen wir die Ausmaße der Hurrikan Katastrophe diesen Jahres. Vier Hurrikans kurz hintereinander haben eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Sind es am Visitor Center nur die umgewehten Palmen und die verbogenen und abgebrochenen Straßenschilder, so sehen wir das wahre Ausmaß erst, nachdem wir die Interstate verlassen und auf dem Weg zu unserem Campingplatz durch kleine Dörfer entlang der Küste fahren: Abgedeckte Häuser, umgestürzte Bäume, Müllberge entlang der Straße und zerfetzte Zäune legen Zeugnis ab über die Naturgewalt, mit der der letzte Hurrikan Ivan vor zwei Monaten über das Land gefegt ist. Auch der KOA, auf dem wir diese Nacht verbringen, ist verwüstet und bis fast auf den letzten Platz gefüllt mit obdachlosen Familien und Handwerkern, die aus anderen Bundesstaaten angereist sind. Ein absolutes Chaos! 


Pensacola - Perdido Bay KOA
Mittwoch, 10. November 2004


Am nächsten Morgen der gleiche Campingplatz im strömenden Regen - passend zur Katastrophenstimmung nach dem Hurrikan


Donnerstag, 11. bis Mittwoch, 17. November 2004

Strahlend weiße Strände und türkisblaues Wasser laden zum Badeurlaub ein


Schöner kann kein Campingplatz liegen:
Camping on the Gulf, Destin/Florida
Donnerstag, 11. bis Mittwoch, 17. November 2004


Blick aus dem Bus beim Aufwachen

 
Badeurlaub Mitte November


Das vorletzte Mal ist Wäsche waschen angesagt


Abendstimmung

Klaus:
Zum ersten Mal in den letzten acht Monaten bleiben wir für eine ganze Woche am gleichen Fleck. Bisher waren wir noch nie länger als vier Tage hintereinander auf dem gleichen Campingplatz, haben sogar in der Mehrheit die Campingplätze täglich gewechselt. Wir waren immer auf Achse und haben versucht, so viel wie möglich von der Welt zu sehen und täglich neue Eindrücke zu sammeln. Doch jetzt genießen wir es genauso, einmal gar nichts zu tun, bzw. nur das zu tun, was der Durchschnittsdeutsche in seinem Jahresurlaub macht: am Strand liegen und sonnen, am Meer entlang wandern, viel lesen, Morgens lange schlafen, gemütlich seinen Frühstückskaffee mit Blick auf den Strand zu genießen ...

Es ist einfach traumhaft schön hier. Man muss sich das zu Hause in Deutschland einmal vorstellen: Wir haben Mitte November und laufen tagsüber in Badeklamotten am Strand entlang. Der Strand ist strahlend weiß, das Meer türkisblau und noch so warm, dass man darin schwimmen kann. Wir stehen seit einer Woche mit unserem VW-Bus direkt am Strand, von unserem Picknicktisch aus schauen wir auf das Meer und sehen den Pelikanen beim Fischfang zu. Wenn wir Abends zu Bett gehen, lassen wir die Gardinen in unserem Bus auf, damit wir Morgens beim Aufwachen das Meer sehen können und die Wellen, die an den Strand rollen. Das Rauschen des Meeres begleitet uns in den Schlaf und ist neben dem Krächzen der Möwen das einzige Geräusch, das wir hören.

Wir sind sehr glücklich, dass wir das alles so erleben können. Während wir den Strand entlang wandern, freuen wir uns darüber, wie gut bisher alles auf der Reise geklappt hat. Obwohl wir nicht übermäßig geplant haben, ist unsere Reise doch so verlaufen, dass wir immer tolles Wetter hatten (so haben wir hier kein einziges Mal unsere Regenjacken gebraucht und nur ein Mal unseren Regenschirm), wir uns alles angeschaut haben, was wir sehen wollten und wir vor allem Unheil wie Unfällen oder Diebstählen verschont blieben. Wir fühlen uns beide super erholt, sind braun gebrannt, stets ausgeschlafen, gut genährt und verleben gerade die beste Zeit unseres Lebens! Und doch freuen wir uns beide auch wir auf zu Hause: auf leckre Brötchen zum Frühstück mit dem Leverkusener Anzeiger; auf Familie und Freunde; einen Abend vor dem Fernseher; Fondue, Raclette und Schweinebraten; das eigene Badezimmer und die gewohnte Umgebung.

In einem Monat endet der schönste Urlaub unseres Lebens, aber wir haben auch gelernt das zu Hause zu schätzen!


Presnells Bayside Camp
Donnerstag, 18. November 2004



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