Entlang der Ostküste Floridas ...



Samstag, 11. & Sonntag, 12. Dezember 2004

Kofferpacken und auf in den Norden

Klaus:
Was für eine Nacht! Die Temperatur steigt an die 30 Grad, die Luft ist so feucht, dass man sie mit dem Messer schneiden kann und eine Horde von Mücken giert nach unserem Blut. Am liebsten würde ich mich um drei Uhr in der Nacht hinters Steuer klemmen und Richtung Norden fahren, um diese Qualen hinter mir zu lassen. Dabei dachten wir, Mücken und nächtliche Hitze schon lange hinter uns gelassen zu haben. Immerhin haben wir auch in USA das 3. Adventswochenende - und damit Winter!

Am Morgen gibt es dann zum letzten Mal in Amerika Gutes aus der eigenen Küche, danach landen Kocher, Pfanne und die letzten beiden Konserven in der Campingplatzküche - vielleicht findet sich ja noch jemand, der was davon nutzen kann. 

Nach einer schnellen Autowäsche (aber ob die für die Verschiffung ausreicht, wage ich sehr zu bezweifeln - jeder Regen würde unser Auto nasser machen), geht es auf den Florida Turnpike, was uns zwar 20 Dollar kostet, dafür aber in recht kurzer Zeit ins 400 km entfernte Orlando bringt, wo wir nach einer Nacht auf dem Hurrikan geschädigten KOA Campground am nächsten Morgen im Flughafen für die folgenden vier Tage unseren quietschgelben Mietwagen abholen. Jetzt sind wir endlich richtige Amerikaner - wir reisen mit zwei Autos!

Auf dem letzten Campground - schon in Georgia (somit haben wir übrigens in jedem amerikanischen Bundesstaat, den wir durchfahren haben auch auf mindestens einem Campingplatz übernachtet), werden die letzten Sachen verpackt, die Geheimfächer für die Verschiffung präpariert, der Wagen noch mal von Hand gewaschen, die Innenraumbatterie ausgebaut (wir können nun noch nicht mal mehr Licht im Bus anmachen) und der Mietwagen mit allen Sachen vollgestopft, die wir im Flieger mitnehmen müssen. Kurzzeitig überlegen wir wirklich, ob wir nicht noch zusätzliche Koffer benötigen. Oh Gott, oh Gott, oh Gott ...


Großes Packen auf dem
Orlando KOA
Samstag, 11. Dezember 2004


Typisch amerikanisch: Mit zwei Wagen auf dem 
Jacksonville KOA
Sonntag, 12. Dezember 2004

Wir sind nun nicht nur rund 800 km weiter nördlich als auf den Florida Keys, sondern ergänzend zieht gerade eine Kaltfront über Florida und bringt Kälte, wie das letzte Mal vor zwanzig Jahren. Die Nacht liegt nahe am Gefrierpunkt und wir decken alles über uns, was wir finden können. Die letzte Übernachtung im Bus verabschiedet sich also schon einmal mit einem Vorgeschmack auf die Temperatur, die uns in Deutschland erwartet.

Montag, 13. bis Mittwoch, 15. Dezember 2004

In Mietwagen und Motels Amerika ganz anders erleben


Gut eingepackt wartet unser Bus die nächsten sieben Tage im Hafen von Brunswick auf seine Verschiffung - und das bei unverschlossenen Türen und steckendem Zündschlüssel!


Abschied mit einer Träne im Scheinwerfer


Ramada Inn, St. Augustine
Montag, 13. Dezember 2004


Frühstück und Abendessen mal nicht selbstgemacht

 
St. Augustine - ein sehenswertes Städtchen


Ramada Inn Speedway, Daytona Beach
Dientstag, 14. Dezember 2004


Ramada Inn Kennedy Space Center, Titusville
Mittwoch, 15. Dezember 2004

Klaus:
Das organisatorische Prozedere für die Rückverschiffung unseres VW-Busses in Brunswick verläuft absolut unproblematisch - für mich schon fast zu einfach. Mein Loblied auf Seabridge in Düsseldorf, die für uns nicht nur die Verschiffung, sondern auch alle Versicherungen und Flüge gemanagt haben (und das zu unschlagbaren Preisen), werde ich vorsichtshalber erst anstimmen, wenn wir den Wagen Anfang nächsten Jahres wohlbehalten in Bremerhaven wieder abholen.

Es tut doch immer wieder weh, wenn man sein Auto - und diesmal auch noch in einem fremden Land - schutzlos mit offenen Türen und steckendem Zündschlüssel im Hafengebiet zurücklassen muss. Vor allen Dingen, wenn die Verladung erst erfolgt, wenn wir schon wieder in Deutschland sind.

Die letzten vier Tage fahren wir nun also mit unserem kleinen, gelben Sportwagen durch Florida und was ich nicht gedacht hätte, es ist ein ganz anderes Reisen, als mit dem Bus. Zum einen kann man sich nicht schnell mal eine Tasse Kaffee machen und sein Frühstück oder Abendessen zubereiten, dafür kommen wir aber dazu, uns am frühen Morgen im Waffle House den Bauch mit den leckersten Waffeln vollzuschlagen, suchen Abends schöne Restaurants auf, in denen wir futtern, bis wir nur noch ins Motel zurückrollen können, trinken Bier vor dem Fernseher oder in der Hotelbar und genießen den morgendlichen und abendlichen Bummeln durch so schöne Städtchen wie St. Augustine und Daytona Beach. Echt schön (und Kalorien reich)! Auch ist die Motelsuche nicht so anstrengend, wie die Campingplatzsuche - es gibt sicherlich in den USA hundertmal so viele Motels wie Campingplätze. Und mit unseren Couponheften sind die Preise für die Motels auch kaum höher als für die Campingplätze.

Zum letzten Mal suchen wir erfolgreich ein großes Factory-Outlet auf und genießen den tollen Umtauschkurs von 1,30 US$ für einen Euro. So preiswert, wie derzeit, wird man wohl nicht mehr allzu häufig durch die USA reisen können.

Doch auch die Natur kommt nicht zu kurz. Im Blue Spring State Park sehen wir erstmalig in freier Natur rund zwanzig riesige Seekühe (Manatees), die sich im 72° F warmen Wasser der Quelle aufhalten und hier die kühle Winterzeit verbringen. Die kristallklare Quelle spendet täglich aus rund 40 Meter Tiefe 450 Millionen Liter Wasser und schafft aus dem Nichts einen beeindruckenden Fluss. Direkt neben dem Kennedy Space Center besuchen wir am gleichen Tag noch Merritt Island National Wildlife Refuge und verabschieden uns von unseren liebgewonnen Seevögeln sowie etlichen Alligatoren, die faul in der Sonne liegen.


Seekuh-Mama mit Kind in freier Natur


Und immer wieder große und kleine Alligatoren

Morgen Abend geht es zurück in die Heimat. Wir machen unsere Koffer klar für den Abflug und es sieht alles schon gar nicht mehr so schlimm aus: ein großer, ein kleiner Koffer, eine gut gefüllte Sporttasche und eine Sporttasche, in der nur unser Rucksack und drei Paar Schuhe sind. Dazu zwei relativ leichte Handgepäckstücke. Ich würde mal sagen: weniger Gepäck als auf unserem Hinflug.

Donnerstag, 16. & Freitag, 17. Dezember 2004

Am letzten Tag der erste Autounfall!

Klaus:
Wer hätte gedacht, dass die letzten beiden Tage noch einmal so viel Stress, Aufregung, Ungewissheit und Warterei mit sich bringen würden? Erst um 18:30 Uhr geht unser Rückflug ab Orlando. Wir wollen Vor- und Nachmittag nutzen, um mit dem Kennedy Space Center auch noch die letzte amerikanische Sehenswürdigkeit unserem sechsmonatigem Programm hinzuzufügen. 

Mit den amerikanischen Verkehrsregeln sind wir ja mittlerweile vertraut. Auch wenn an einer Ampelkreuzung rot ist, darf man rechts abbiegen, soweit man sich versichert hat, dass kein bevorrechtigter Verkehr von wo auch immer kommt. Gesagt getan, ich fahre an die Kreuzung heran, bleibe stehen, schaue nach rechts und links und merke dann nur noch ein Rumms, wie von hinten ein Auto in unseren Wagen hineinfährt und dadurch die Tagesplanung etwas durcheinander zu bringen droht. Verdammt - muss das sein? Sechs Monate (sowie neun Wochen in Spanien) ist alles gut gegangen und am letzten Tag, neun Stunden vor Abflug der erste Unfall - und dann auch noch mit dem Mietwagen!

Am Auto ist nicht viel dran, wir warten trotzdem - wie in unseren Mietbedingungen festgeschrieben - auf die Polizei, die sich nach über 30 Minuten endlich mal blicken lässt, mit dem Ergebnis, dass wir nur ein Formular ausgehändigt bekommen, um unsere persönlichen Daten auszutauschen. Und schont rausch die Polizei schon wieder davon. Na, ich bin mal gespannt, was da am Abend bei der Fahrzeugrückgabe noch auf uns zukommt.

Wir schaffen es trotzdem noch pünktlich ins Kennedy Space Center, nutzen die Stunden, um eine ausgedehnte  Bustour über das Gelände zu unternehmen,  besuchen die Abschussrampen der Space Shuttles, sehen uns eine Original Saturn V Rakete an, besuchen im IMAX-Kino den Film zur Erforschung des Weltalls und wandern durch den Raketengarten. Wirklich alles sehenswert und eine gute Ergänzung zum Raumfahrtkontrollzentrum in Houston, dass wir vor einigen Wochen besucht haben.

Auf dem Weg zurück zum Flughafen wird es dann doch noch mal zeitlich ganz schön eng, was vor allen daran liegt, dass wir vor der Fahrzeugrückgabe den Wagen noch voll tanken müssen, aber einfach keine Tankstelle finden. Es ist wie verhext, sonst ist doch an jeder Ecke eine. Doch auch diese Hürde wird übersprungen und die Fahrzeugrückgabe und Unfallaufnahme erweist sich als kein Problem. Obwohl wir nur eine Basisversicherung für den Wagen abgeschlossen haben, ist der Schaden abgedeckt und von daher interessiert sich die Verleihfirma noch nicht einmal für die Adresse des Unfallverursachers. 

Lange dauert dann noch die Sicherheitskontrolle am Flughafen. So muss zum Beispiel jeder Flugreisende seine Schuhe ausziehen, aufs Band legen und durchleuchten lassen. Was meint der Schwarz-Amerikaner vor uns dazu: "George W. wurde wiedergewählt - das haben wir davon!". So bleiben uns nachher noch genau 20 Minuten bis wir unseren Fliegen Richtung Heimat besteigen können - doch noch mal ganz schön knapp geworden.

Zeitlich eng wird es dann auch in London. Wir landen in Gatwick und haben genau drei Stunden Zeit, um mit unserem ganzen Gepäck den Bus zum Flughafen Heathrow zu besteigen, um von dort den Anschlussflug nach Düsseldorf zu erwischen. Illusorisch, wie sich schnell herausstellt. Obwohl wir unser Gepäck als eine der ersten vom Band nehmen, uns gut im Flughafen zurechtfinden und auf Anhieb den Bus nach Heathrow finden und sofort losfahren, hängen wir 2 1/2 Stunden im Londoner Berufsverkehr fest. Was für ein Psychoterror - wir sitzen im Bus, haben keinen Einfluss darauf schneller voran zu kommen, die Minuten werden zu Stunden und der Termin für unseren Anschlussflug rückt immer näher.

Tja, das war's: der Flieger ist längst weg! Der nächste geht erst in zwei Stunden, ist aber komplett ausgebucht. "Sie können es ja über die Warteliste versuchen, aber die Chancen sind schlecht. Wir haben halt das letzte Wochenende vor Weihnachten." Wir versuchen es trotzdem und haben diesmal Glück. Es sind noch genau zwei Plätze in der Maschine frei, aber mehr brauchen wir auch nicht. Hauptsache, es geht endlich nach Hause.

Unser Gepäck schafft es zwar nicht mehr in den Flieger, wodurch wir nach sechs Monaten mit einem kleinen Rucksack sowie einer Reisetasche nach Hause kommen. Aber das passt zu unserer Abenteuertour - 
man braucht so wenig um glücklich zu sein!


Das ist nun also das Ende der ABENTEUERTOUR. Wir stürzen uns erst einmal wieder in den deutschen Alltag - inwieweit und ob die Abenteuertour unser Leben verändert hat, werden wir dann sehen.  Ich will versuchen, in rund zwei Monaten noch mal einen kleinen Bericht ins Netz zu stellen. 


Eine Saturn V Rakete in Originalgröße ...


... im Kennedy Space Center


Das nächste Space Shuttle, das 2005 ins All fliegen wird


Apollo 11 - die erste Mondland


Heimflug: Orlando - London - Düsseldorf





Ach, was ist es zu Hause schön!!!



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