Grand Canyon ...



Samstag, 4. bis Montag, 6. September 2004

Entlang der grandiosesten Schlucht der Welt

Klaus:
Wir betrügen uns selber. Aber es funktioniert! Eigentlich haben wir mit Verlassen der kalifornischen Küste zwei Zeitumstellungen mitgemacht, was jedoch dazu führt, dass um 18:15 Uhr die Sonne untergeht und es spätestens um 19:00 Uhr stockenduster ist. Da wir in der Hauptsache draußen leben, wird es für uns dadurch problematisch mit Kochen und Essen. Daher haben wir beschlossen, unsere Uhren zwei Stunden vorgehen zu lassen und haben somit länger Sonne als die Amerikaner um uns herum. Wenn wir aber laut unserer Uhr morgens um 8:00 Uhr aufstehen, bedeutet das auch, dass es eigentlich erst 6:00 Uhr ist, was derzeit mit dem Sonnenaufgang zusammen fällt. Für uns Langschläfer eine Wahnsinnszeit.

Nachdem wir übrigens gesehen haben, wie schnell die USA-Durchquerung von Nord nach Süd funktioniert hat, überlegen wir derzeit, ob wir nicht gegebenenfalls unser Auto wieder ab Baltimore zurück verschiffen und einen Flug von Washington nehmen - dadurch würden wir uns nämlich zum einen die Mietwagentage in Florida sparen und zum anderen - und das zählt für uns besonders - den unmöglichen Flughafentransfer inklusive Gepäck in London vermeiden. Unsere entgültige Entscheidung werden wir wohl im Oktober treffen, wenn wir uns um die Rückverschiffung kümmern müssen. Bis dahin kümmern wir uns um dieses Problem, so wie wir es hier generell mit Problemen handhaben: Wenn es akut ist, einfach lösen, ansonsten liegen lassen ...

Mittlerweile haben wir also den Grand Canyon erreicht, wieder eines der Highlights unserer Tour durch die USA - das wir nicht die einzigen sind, die so denken, erkennt man am Sprachgewirr, dass hier entlang der riesigen Abbruchkante des Colorado-River herrscht: englisch, chinesisch, japanisch, indisch und verdammt oft deutsch. Welche Sorgen haben wir uns im Vorfeld immer über das Labour Day Wochenende gemacht. Da mit diesem Datum offiziell das Ende der amerikanischen Ferien und mit dem freien Montag ein langes Wochenende eingeläutet wird, hieß es überall, dass kein Campingplatz zu bekommen wäre - vor allen Dingen nicht im Grand Canyon. Alles Quatsch. Wir stehen auf einem riesigen Stellplatz direkt im Grand Canyon National Park und um uns herum ist auch noch der ein oder andere Platz frei. Man sollte sich wirklich nicht verrückt machen lassen. Bis auf die Plätze entlang der kalifornischen Pazifikküste haben wir eigentlich in den ganzen letzten drei Monaten noch nie Probleme bei der Stellplatzsuche gehabt.

Wir wandern recht lange in der angenehmen Mittagssonne entlang des Canyons und begeistern uns an den immer neuen Ausblicken. Der Colorado River fließt 1.500 m tiefer unter uns, ist aber kaum zu sehen, so tief hat er sich im Laufe der letzten 600 Millionen Jahre in den Felsen hineingefressen. In abgestuften Felsschichten präsentiert sich die Kante, mal rotgestreift, mal weißgestreift und in den Geröllstreifen dazwischen grün wegen der vereinzelten Büsche. Auch den Sonnenuntergang erleben wir natürlich mit, sehen wie die Schatten immer länger werden, die Farbintensität zunimmt und sich die Ruhe der Nacht über den Fluss und das Tal legt. Tja, die Stimmung war wohl leider zu romantisch für unsere Digitalkamera - sie hat nämlich ihren Geist aufgegeben! Das gleiche Problem, das wir schon zu Beginn in New York hatten, das sich dort aber von alleine gelöst hat. Ich wage nur zu bezweifeln, dass sie sich auch diesmal wieder normalisiert. Bis dahin wird wohl unser Reisebericht erst einmal ohne Fotos auskommen müssen. Wir behelfen uns derzeit mit einer Einwegkamera und werden bei der Entwicklung die Bilder wohl digitalisieren und später ins Internet stellen. Tja, wie man sieht, haben auch wir so unsere kleinen Probleme.

Noch was zum Wetter: Alleine darüber könnte man einen eigenen Reisebericht schreiben. Zwei Tage nach unserem Hitzeplatz am Colorado mit weit über 30 Grad in der Nacht, haben wir tierisch gefroren bei unter 0 Grad und Nachtfrost. Hier im Grand Canyon schlafen wir wieder jeder mit zwei Decken übereinander. Schon beachtlich was für Wetterwechsel unsere Körper so problemlos wegstecken, immerhin betrug in den letzten 48 Stunden die maximale Temperaturdifferenz 60 Grad Celsius!!!


Grand Canyon KOA
www.grandcanyonkoa.com
Samstag, 4. September 2004


Der Grand Canyon


Uns geht's immer noch gut!


Schattenspiele bei Sonnenuntergang


Mather Campground im Grand Canyon National Park
Sonntag, 4. bis Dienstag, 7. September 2004


Kojote am Wegesrand

Dienstag, 7. September 2004

Hinunter in die grandioseste Schlucht der Welt

Klaus:
"We hiked the Canyon" -
auch wir haben es gemacht. Wir sind heute die Grand Canyon Schlucht  mit dem Ziel Lookout Point des Bright Angel Trails hinunter gestiegen. Vorher als Grundlage ein paar ordentliche Stullen aus über dem offenen Feuer selbst gebackenem Brot (erstmals ein Roggenmischbrot - keine Backmischung!). Der Rucksack ist gut gefüllt mit 5 Liter Wasser und ein bisschen zu Essen. Im Gegensatz zu Europa diesmal eine Wanderung, auf der wir weder Regenzeug noch dickere Kleidung mitnehmen müssen, denn in der Schlucht erwarten uns heute knapp 40 Grad. Sieben Stunden sind wir unterwegs, machen dabei nicht nur 20 km, sondern auch über 1.000 Höhenmeter und erleben eine einmalige Berglandschaft. Wir schauen von unserem Zielpunkt hinab auf den Colorado River und sehen noch einmal knapp 400 Meter unter uns die Schlauchboote der Rafter - doch für uns ist der Fluss heute kein Ziel. Man wird immer wieder durch Hinweisschilder davor gewarnt, an einem Tag bis zum Fluss und zurück zu gehen. Es sind zwar von unserem Aussichtspunkt nur noch 3 km, doch die können hier in diesem Wüstenklima schon ganz schön happig sein. 

Es wachsen lauter Kakteen auf unserem Aussichtsplateau, dazwischen ein paar blattlose Sträucher, die aber auch ordentliche Dornen haben. An einer Stelle hören wir das bedrohliche Rasseln der Klapperschlange direkt neben uns - ein sicheres Zeichen, dass sich die Schlange durch uns bedroht fühlt. Der Biss der Klapperschlange ist zwar für den Menschen nicht tödlich, soll aber zu heftigen Schmerzen und Krämpfen führen. Schon ein komisches Gefühl, eine solche Stelle zu passieren.

Von unten sieht der Grand Canyon völlig anders aus, als von oben. Man hat das Gefühl, sich im Hochgebirge zu befinden, wo über einem die senkrechten Felsen in den Himmel ragen. Aus dieser Perspektive kaum vorstellbar, dass sich die "Bergspitzen" mit einem Mal in ein Plateau verwandeln, das oben völlig eben verläuft. 

Ebenfalls völlig ungewohnt ist, dass man zu einer Bergtour zuerst stetig nach unten wandert und erst auf dem Rückweg den steilen Berg erklimmt. Das erfordert eine völlig andere Krafteinteilung und schafft uns schließlich auch so, dass wir recht entkräftet oben ankommen. Wir sind total staubbedeckt und die ursprüngliche Farbe von Schuhen und Socken ist nicht mehr zu erkennen - wie schön jetzt unter die Dusche zu kommen!

Kleine Tierstory am Rande: Während ich hier sitze und den Reisebericht schreibe, steht ein Hirsch in vielleicht 10 Meter Entfernung und äst gemütlich an einem Baum. Tolle Momente, wie wir sie hier nun schon so häufig erlebt haben, uns aber immer wieder in ihren  Bann ziehen.


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