Joshua Tree National Park und Palm Desert ...


Sonntag, 29. August 2004

In the Heat of the Night

Klaus:
Der Nebel an der Pazifikküste entsteht, weil die kalten Luftmassen des Ozeans mit den warmen Luftmassen des Kontinents zusammen treffen. Dadurch kondensiert die Feuchtigkeit in der Luft und führt zu dichtem Nebel - so, wie wir ihn heute zum wiederholten Male antreffen. Und ich finde das gelinde gesagt ziemlich doof!!! Da gaukeln einem die Filme im deutschen Fernsehen immer vor, die kalifornische Küste wäre die Heimat der braungebrannten Beachboys, die sich auf ihren Surfbrettern in die Wellen werfen, um elegant an den Palmen übersäten Strand zu reiten. So ein Quatsch: In der Realität stecken diese Jungs in dicken Neoprenanzügen, um das eiskalte Wasser des Pazifiks überhaupt längere Zeit auszuhalten. Und zurück an Land suchen sie recht schnell ihre wärmenden Pick-ups auf.

Wir haben auf jeden Fall die Nase voll, brechen unsere Zelte an der Pazifikküste ab und beschließen, unsere Glück nach Wärme und Sonnenschein erst einmal im Landesinneren von Kalifornien zu suchen - Los Angeles sparen wir uns auf, wenn wir im Laufe des Septembers nach unserer großen Rundreise durch den Südwesten wieder hierhin zurückkommen.

Und es ist wirklich faszinierend: als wir an der Küste losfahren sind es gerade mal 16 Grad, kaum sind wir einige Meilen im Landesinneren, lichtet sich der Nebel und die Temperatur steigt schnell über die 20 Grad Grenze, verweilt nur kurz bei 25 Grad, um kurz darauf auch noch locker die Marke von 30 Grad zu überspringen. Um uns herum ist verbranntes Land, das uns bis in die Vororte von Los Angeles trägt. Die Fahrt durch diese Riesenstadt klappt durch die nahtlose Verbindung von Interstates recht problemlos und schon bald geht es nur noch Richtung Osten, von wo wir ja vor noch nicht einmal zwei Wochen hergekommen sind. 

Kurz vor Palm Springs kommen wir dann an ein riesiges Outlet-Store Einkaufsparadies, eine richtige kleine Stadt mit über 100 Fabrikverkaufsläden. 3 Paar Schuhen bei Timberland folgen ein paar Turnschuhe sowie Socken bei Nike - und kaum haben wir uns versehen, steht die Sonne auch schon knapp über dem Horizont und wir haben überhaupt noch keine Ahnung, wo wir die heutige Nacht verbringen werden. 


Endlich wieder einkaufen!

In Desert Hot Springs holt uns die Dunkelheit ein, zwei Passanten am Straßenrand verweisen uns auf Palm Springs, dort irren wir durch die Straßen bis wir der 111 Richtung Osten folgen. Doch nirgends ein Campingplatz. Wir durchfahren ein solche bekannte Stadt wie Indian Wells bei absoluter Dunkelheit und sehen immer noch nichts, was irgendwie an einen Campingplatz erinnert. Dafür zeigt unser Außenthermometer stolze 41,5 Grad an - ach wie schön wäre es jetzt irgendwo zu stehen und ein eiskaltes Bier aus dem Kühlschrank zu trinken. Endlich - in Indio, nachdem wir alle Orte Palm Deserts durchfahren haben, finden wir den erlösenden Platz für die Nacht. Die Rezeption ist zwar nicht mehr besetzt, doch mittlerweile sind wir ja in Self-registration geübt. Zur Ruhe kommen wir jedoch noch nicht so schnell: Bei über 30 Grad in einem VW-Bus zu schlafen, ist nicht einfach, selbst wenn man wie wir alle Türen während der Nacht weit offen lässt. Hier bekommt die Redewendung einer "heißen Nacht" doch eine ganz andere Bedeutung!


Fiesta RV Park, Indio
www.fiestarvpark.com
Sonntag, 29. August 2004


Montag, 30. August 2004

In der Wüste


Cholla Kakteen im ...


... Joshua Tree NP ...


... ein Joshua Tree ...


... ein alter Staudamm aus Goldgräberzeit im NP

Klaus:
Eine faszinierende, neue Welt erwartet uns - die Wüste! War ich schon begeistert von den weiten Prärien Wyomings, so fehlen einem die Worte, eine solche Gegend wie im Joshua Tree National Park zu beschreiben. Riesige, von Wind und Regen glatt geschliffene Felsbrocken türmen sich auf- und nebeneinander, schaffen kleine Gebirge von 20 oder 30 Metern, werfen ihren Schatten aufeinander, schaffen Höhlen und Vorsprünge aus Licht und Farbe und verleiten dazu, zwischen ihnen umherzuwandern und Weg und Zeit zu vergessen. Doch Vorsicht - wer hier nicht genug Wasser dabei hat, kann echte Probleme bekommen. Selbst auf Wanderungen, die nur ein paar hundert Meter lang sind, nehmen wir immer jeder einen halben Liter Wasser mit. Und meistens ist er selbst nach einem solch kurzen Stück weg. Wir trinken wahre Unmengen, was aber auch bei Temperaturen von durchweg über 40 Grad im Schatten nicht verwundert.

Nachdem wir gerade noch begeistert ein Feld mit Cholla Kakteen durchquert haben (angeblich sollen sie den Menschen sogar anspringen, wenn man zu nahe an sie herantritt), sehen wir endlich auch die ersten Joshua Trees - vom Aussehen her eine Mischung zwischen Laubbäumen, Yuccapalmen und Agaven - gehören sie wohl zur Gattung der Kakteen. Große Exemplare sind bis zu fünf Meter hoch und ähneln von der Aststruktur stark unseren heimischen Laubbäumen. Doch erst an der Spitze der Äste entwickelt sich neues Grün, das dort wächst wie an einer sehr dicken Yuccapalme. Doch wenn man diese spitzen Blätter berührt, zeigt sich, dass sie ähnlich wie eine Algave sind, nur nicht ganz so dick.

Wie schön, dass wir am frühen Abend einen Campingplatz mitten zwischen diesen herrlichen Bäumen finden. Schon als wir ankommen, sehen wir einen Kojoten, der über den Platz streift, am anderen Ende hoppelt ein Riesen-Hase entlang und um uns herum ist keine Menschenseele. Wir haben den ganzen Platz für uns alleine, genießen einen wundervollen Wüsten-Sternenhimmel, solange, bis der Vollmond die Gegend in einen silbrigen Glanz hüllt. Wieder ist es über 30 Grad in der Nacht - doch als ich irgendwann in der Nacht die Schiebetüre weit öffne, in der Hoffnung etwas kühlere Luft zu erhaschen, fangen in unmittelbarer Nähe die Kojoten an zu heulen, was mir von Petra den Hinweis einbringt "Mach sofort wieder die Tür zu!".


Black Rock Campground
Joshua Tree National Park
www.joshuatree.org
Montag, 30. August 2004

Dienstag, 31. August - Mittwoch, 1. September

Schlechtes Wasser, gutes Wasser

Klaus:
So was Heißes habe ich noch nicht erlebt: Zwei Tage hintereinander, an denen das Thermometer nicht unter 40 Grad fällt. Wir fahren am Montag nach Salton Sea, ein riesiger See in der Nähe von Palm Desert, um wenigstens etwas Erfrischung zu bekommen. Und es sieht auch ganz gut aus: Dunkelblau liegt der See direkt vor uns. Wir buchen uns sofort auf dem Campingplatz ein (wo wir schon wieder die einzigen Gäste sind) und fahren dann mit dem Auto an den Strand. Doch dort erwartet uns leider eine böse Überraschung - aufgrund von Überdüngung der Felder in der Umgebung des Sees, hat dieser arge Sauerstoffknappheit, was großes Algenwachstum und Fischsterben mit sich bringt und für uns bedeutet, das es sich bei dem See um eine dunkel grün-braune Brühe handelt, die auch nicht gerade angenehm richt. Auf jeden Fall nicht so, dass man mit Freude dort hinein hüpfen würde. So verbringen wir also den Tag direkt in Sichtweite eines Sees, zwar schön im Schatten, doch trotzdem unerträglich heiß (hier kommt nämlich noch eine extreme Luftfeuchtigkeit hinzu) und springen ab und zu zur Erfrischung unter eine Stranddusche, bei der man zuerst immer das Wasser laufen lassen muss, damit das kochende Wasser abfließen kann. 


Urlaub am See - Salton Sea State Recreation Area Campground
Dienstag, 31. August 2004

Erstmalig verzichten wir am Abend auf unser Lagerfeuer obwohl wir Holz dabei haben. Verstehen kann man das nur, wenn man wie wir zu Abend gegessen hat, während einem wie in der Sauna der Schweiß in Strömen den Körper heruntergeflossen ist. Nur, in der Sauna kann man irgendwann die Tür auf machen und hinaus gehen, hier geht das leider nicht! In der Nacht stellen wir eine große Schüssel Wasser neben unser Bett, in die wir dann in regelmäßigen Abständen unsere Waschlappen eintauchen können, um unseren arg strapazierten Körpern wenigstens etwas Kühle spenden zu können. 

Und man glaubt es kaum, wir schlafen sogar ganz gut in dieser Nacht. Dafür haben wir uns aber auch heute einen ganzen Tag in einem echten Schwimmbad verdient ...

Ein Beispiel gefällig, dass die Amis wirklich einen Knall haben? Bevor hier das Schwimmbad geöffnet wird, spielen die doch glatt die amerikanische Nationalhymne vom Band und die Amis stehen noch stolz da und halten die Hand aufs Herz! Jetzt kann man sich also vorstellen, wie heiß es hier sein muss!!!

Der Tag in der Schwimmlandschaft dagegen ist einfach nur Fun pur: Wir verbringen fast die ganze Zeit im Wasser, weil das der einzige Ort ist, an dem man es einigermaßen aushalten kann. Lassen uns in Gummireifen durch den Strömungskanal treiben, schießen im Schlauchboot eine Wasserrutsche runter oder tollen im Wellenbad herum, bis mir eine Welle die Sonnenbrille von der Nase reißt und in seine unendlichen Weiten mit davon nimmt. Und das, wo ich ohne Brille doch absolut hilflos bin. Petra eilt mir zwar sofort zur Hilfe, doch auch mit vereinten Kräften können wir sie leider nicht mehr finden. Gott sei Dank fischt ein kleiner Junge sie zehn Meter weiter hinten aus dem Wasser. Hurra, ich kann wieder sehen.

Weil es so schön war, beenden wir den Abend noch einmal in unserem Outlet-Store von Sonntag, erstehen eine neue Badehose für mich (jetzt kann ich mich auch außerhalb des Wassers sehen lassen) und ein paar neue CDs für Petra. Und danach fahren wir im Stockedusteren noch eine gute Stunde, bis wir wieder auf unserem romantischen Campingplatz im Joshua Tree National Park landen. Diesmal ist es uns egal, wie viele Kojoten über den Platz streifen, wir lassen beide Fenster im Fahrerhaus offen, das Fenster im Wohnbereich sowie die große Heckklappe. Mittlerweile sind wir doch recht furchtlos, wenn es darum geht, (fast) alleine in der Wildnis zu campen.


Aussicht beim Aufwachen 
Black Rock Campground
Joshua Tree National Park
www.joshuatree.org
Mittwoch, 1. September 2004

Donnerstag, 2. September 2004

56 Grad im Schatten


Es ist sehr heiß ...


Moabi Regional Park, Needles
www.county-parks.com
Donnerstag, 2. September 2004

Klaus:
Eigentlich wollten wir in Palm Deserts einige Tage Urlaub machen, fahren aber weiter, um der Hitze zu entkommen. Aber denkste: man meint ja immer, jetzt ist der Höhepunkt erreicht, weiter geht es nicht. Als wir gestern aus dem Schwimmbad kamen und das Thermometer 47 Grad anzeigte, dachte ich, was eine Hitze! Als wir heute Mittag nach dem Tanken die Marke von 50 Grad überschreiten, denke ich, höher geht es nicht mehr. Doch als wir dann mit Erreichen des Campingplatzes 56 Grad im Schatten erreichen, will ich mich zu weiteren Hitze-Superlativen nicht mehr äußern. Doch was 56 Grad bedeuten, ist auch nicht mehr vorstellbar. Nur wenn man sich einige Minuten im kalten Colorado-River aufgehalten hat, ist es überhaupt zu ertragen. Der heiße Sturm trocknet aber die Badesachen fast genauso schnell, wie man braucht, um aus dem Wasser zu kommen. Wie schön, dass wir einen Campingplatz haben, mit einem großen Sandstrand am Fluss - ich glaube, sonst würden wir hier vor Hitze umkommen.

Und wieder eine Nacht über 30° ...

Freitag, 3. September 2004

Entlang der legendären Route 66


Unterwegs auf der Route 66 ...


... durch Arizona ...

... und wüstes, trockenes Land ...


... hier lebt noch die Vergangenheit

Auf dem Weg zum Grand Canyon verlassen wir California und damit die unglaubliche Hitze dort und fahren über die legendäre Route 66 durch Arizona und sehen erleichtert, wie die Temperaturen wieder unter 30°C fallen. Die kleinen Orte unterwegs sind ganz im Zeichen der guten alten Zeiten und lassen die Vergangenheit lebendig werden. Wir passieren einen Sandsturm und erreichen unseren Campingplatz am Nachmittag. Wir klettern sehr früh in unsere Betten, um endlich wieder eine kühlere Nacht durchzuschlafen ...


Seligman Route 66 KOA
Freitag, 3. September 2004


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