Die großen Seen - Lake Erie, Niagara Fälle und Lake Ontario ...



Dienstag, 29. Juni - Donnerstag, 1. Juli 2004

Lake Erie und Niagara Fälle

Klaus:
Gut zwei Fahrttage benötigen wir (über relativ langweilige Interstates) bis wir endlich die großen Seen erreichen. Der Lake Erie begleitet uns nur für wenige Kilometer und nur einmal haben wir die Möglichkeit, bis an den See heranzukommen. Ansonsten ist das Ufer ausschließlich für die jeweiligen Bewohner zugänglich. Die haben dafür ganz schöne Grundstücke - und so wie ich es in Amerika erwartet habe: alles ohne Gartenzäune und überall tadellos gemäht.

Eigentlich gäbe es vom Lake Erie gar nichts zu berichten, wenn, ja wenn da nicht dieser Drugstore gewesen wäre... Das Petra aber auch partout kein Eis haben wollte! So habe ich dann beschlossen, die Familienpackung Häägen Dasz (oder wie sich das Eis jetzt schreibt) halt allein zu essen. Ich würde sagen, zur Nachahmung ist das nicht zu empfehlen!

Unser dritter Campingplatz ist wieder ein KOA-Platz und liegt nur ein paar Meilen von den Niagara Fällen entfernt.

Wir beschließen zwar, am nächsten Morgen zeitig aufzubrechen, doch so ganz gelingt uns das mal wieder nicht. Es ist doch erstaunlich, wie schnell wir schon wieder die Zeitumstellung umgesetzt haben. Bis zehn Uhr schlafen, wäre sicherlich kein Problem. Also ist es vielleicht doch ganz positiv zu werten, dass wir heute um 8:00 Uhr aus den Federn kommen und nach einem kurzen Müsli-Frühstück mit gepackten Auto Richtung Wasserfälle unterwegs sind.

Nach New York sind die Niagara Fälle das zweite große Highlight unserer USA-Tour. 3000 qm Wasser stürzen auf über einem Kilometer Kammlinie pro Sekunde 52 m in die Tiefe. 90 % davon über die kanadischen Horseshoe Falls und 10 % über die American Falls und die Bridal Veil Falls. Aus allen Blickwinkeln schauen wir uns die Fälle an: von rechts, von links, von der amerikanischen Seite, von der kanadischen Seite und - sicherlich am schönsten - von der Flussseite: Wir fahren mit der "Maid of the Mist" direkt in den Gischtschleier das Wasserfälle hinein. Hätten wir keine Plastikplanen bekommen, wären wir bis auf die Haut durchnässt gewesen. Über einem fallen dröhnend die Wassermasse von der Kante, schlagen unten im Wasser auf und sprühen die Gischt direkt auf unser Schiff. Ein tolles Erlebnis, das seine 8$ pro Person auf jeden Fall wert ist. Eine etwas verblüffende Geldausgabe ganz anderer Art war, dass wir für den Wiedereintritt in die USA über die Rainbow Bridge am Drehkreuz 50 Cent pro Person bezahlen mussten. Wäre doch noch eine interessante Idee für den deutschen Staat, um wieder an Geld zu kommen: Eintrittsgeld an allen deutschen Grenzen verlangen - dann aber bitte typisch deutsch mindestens 15 Euro!

Im Four Mile Creek State Park finden wir einen wunderschönen Campingplatz für die Nacht - wir haben sicherlich 500 qm für uns alleine und sind vom Lake Ontario nur durch eine große Wiese getrennt. So habe ich mir amerikanische Campingplätze immer vorgestellt!


State Park Camping "Four Mile Creek"
Donnerstag, 1. Juli 2004


Romantischer Ausklang eines schönen Tages



pittsburghkoa.com
Dienstag, 29. Juni 2004


Der Lake Erie (kurz nachdem ich knapp 500 ml Eis gegessen habe)


KOA Camping Niagara Falls
Mittwoch, 30. Juni 2004


Aus diesem kleinen Fluss werden 100 m weiter ...


... die American Falls der Niagara Fälle


Noch imposanter sind die kanadischen Horseshoe Falls der Niagara Fälle ...


... und am allerbesten, wenn man mit dem Schiff direkt hineinfährt!
(bitte nicht über die schlechte Fotoqualität wundern, immerhin sprühte die Gischt, wie bei einem schweren Regenguss und die Kamera triefte ganz schön vor Nässe)

Freitag, 2. Juli - Sonntag, 4. Juli 2004

Man muss sich zu helfen wissen ...


Kirschenessen im Golden Hill State Park


"Sunset RV Park" in Oswego
www.SunsetRVPark.net
Freitag, 2. Juli 2004


State Park Camping "Westcott Beach"
Samstag, 3. Juli & Sonntag, 4. Juli 2004


Schwimmen im Ontario See.
(Wehe, man schwimmt außerhalb des begrenzten Bereiches ...)

Klaus:
Brot Nr. 1: stark unten angebrannt, innen o.k., oben ein bisschen zu weich.
Brot Nr. 2: wird nicht richtig gar und muss schließlich von allen Seiten nachgegart werden. Danach recht lecker.
Brot Nr. 3: unten sehr gut, innen o.k., oben noch etwas zu weich.

Wie man sieht, üben wir fleißig Brot backen - und das mit unseren begrenzten Mitteln: einem Grill und einer Kuchenform. Beim nächsten Mal werden wir noch folgende Änderung vornehmen: In die Alufolie, die über die gefüllte Kuchenform gedeckt wird, zwei kleine Kamine einstechen, damit die Feuchtigkeit besser abziehen kann, die letzten zehn Minuten das Brot auf eine Alufolie stürzen und mit der Oberseite auf den Grill legen. Dabei immer auf der niedrigsten Raste vom Grillrost bleiben.

Wir lassen uns mal überraschen - es bringt ja nichts, über das labbrige US-Brot zu schimpfen. Lieber helfen wir uns selber!

Die Amis werden uns dafür aber wohl wieder für verrückt 
erklären. Diese komischen Deutschen, die in einer Sardinenbüchse verreisen (und darin sogar noch schlafen), bereiten auch noch ihr Essen komplett selber zu: frische Maiskolben, selbstgemachte Kräuterbutter, Petras Super-Nudelsalat, Brot - und das, obwohl es so viele Fertiggerichte in den Supermärkten gibt. 

Aber uns gefällt es so. Wir wandern durch die Wälder, essen die Kirschen direkt von den Bäumen und schwimmen im See, machen uns vertraut mit amerikanischen Eigenheiten wie Prepaid-Tanken, Kundenkarten und Unterhaltungen in unmöglichen Dialekten, planen nicht länger als einen Tag im voraus, führen immer noch stundenlange Unterhaltungen zwischen uns und sind einfach tierisch gut drauf ...

Zur Zeit haben wir aber auch einfach Glück mit dem Wetter. Stets sind es fast 30 Grad. Wer sucht da nicht die Abkühlung im kühlen See (64° Fahrenheit - keine Ahnung, wie warm das nun ist)? Mit dem Westcott Beach State Park haben wir wieder einen herrlichen Campingplatz erwischt. Unser Stellplatz ist bestimmt 70 Meter lang und gut 13 Meter tief. Gestern Abend konnten wir zum dritten Mal in Folge einen schönen Sonnenuntergang im See beobachten, danach haben wir gegrillt und als es dunkel wurde, konnten wir am See das Feuerwerk beobachten, das überall aus Anlass des Independence Day abgeschossen wurde.


Griechenland wird sensationell Fußball-Europameister gegen Portugal. 
Wir sind beim Endspiel live per Weltempfänger dabei!


Montag, 5. Juli bis Mittwoch, 7. Juli 2004

Von einer Bootstour durch die Thousand Islands, Waffenlieferungen nach Kanada und Katastrophen-Campingplätzen ...

Klaus:
Weiter geht es entlang des Seaway-Trails. Eine Straße, die zwar das Wort "Sea" im Namen trägt, aber nur recht selten einen Blick auf den Lake Ontario gestattet. Schade eigentlich. 

Am ersten Stop unserer Tagesetappe weht uns der Geruch des Krieges von 1812 entgegen. In Sackets Harbor kam es zu heftigen Gefechten zwischen britischen und amerikanischen Truppen. Heute erinnert an diese Schlacht nur noch ein Park am Ufer des Sees. Recht häufig trifft man hier auf Spuren aus Zeiten der englischen Herrschaft - einige Forts am See geben Zeugnis ab, wie umkämpft diese Region im vorletzten Jahrhundert war. Statt alter Schlachtfelder schauen wir uns lieber die historischen, aus Kalkstein errichteten Häuser in der Main-Street an, die uns einen schönen Einblick in das kleinstädtische amerikanische Leben geben. Wie überall sind auch hier die Hausfassaden sowie die Gärten reichlich mit amerikanischen Fahnen geschmückt. Selbst auf den Campingplätzen haben wir bisher kaum ein Wohnmobil oder gar ein Zelt ohne amerikanische Fahnen gesehen. Für uns Deutsche doch ein ungewohnter Anblick - wir hängen höchstens mal die Fahne aus dem Fenster, wenn Deutschland im Fußball-Finale steht (aber das hat sich sicherlich auch für die nächsten Jahre erledigt ...).

Am östlichen Ende des Lake Ontario mündet dieser in den St. Lawrence River. Wie der Name Thousand Islands schon sagt, umfließt der erste Teil des Flusses tausend Inseln (bzw. für die, die es ganz genau wissen wollen: 1.860). Wir machen von Alexandria Bay eine über 2-stündige Schiffsfahrt mit einem Raddampfer durch die Inselwelt, sehen etliche Inseln, auf denen Millionäre ihre Urlaubsvillen errichtet haben und andere Inseln, die so klein sind, dass gerade mal ein Haus mit Terrasse und zwei Stühlen drauf passt.


Die Thousand Islands (bzw. fünf davon)


teilweise nur so groß, dass genau ein Haus darauf passt

George Boldt, der als Kind in die USA auswandert und es dort mit einem Hotelimperium (u. a. dem legendären Walldorf Astoria in New York) zum Multimillionär brachte, erbaute auf seiner eigenen Insel ein Schloss, das zum Symbol der Liebe zu seiner Frau Louise werden sollte. Nur die allerbesten Handwerker wurden beschäftigt, das Schloss mit mehr als 100 Räumen über und über mit Herzen zu dekorieren. Doch leider musste George Boldt erleben, dass mit Geld nicht alles zu kaufen ist. Noch vor der Fertigstellung verstarb seine Frau mit 41 Jahren an einem Herzanfall. Er ist nie wieder auf seine Insel zurückgekehrt. Heute ist sie ein großes Museum mit den sicherlich imposantesten Gebäuden im St. Lawrence River.

Wir überqueren die Grenze nach Kanada und erleben direkt unsere nächsten beiden Anekdötchen (wobei Petra alles gar nicht so lustig fand - bloß, weil sie jetzt in Kanada vorbestraft ist). Man darf nämlich kein Pfefferspray nach Kanada einführen - das gilt hier als Waffe. Was ich aber nicht wusste und es treuherzig an der Grenze angegeben habe (während ich unser Bier im Kühlschrank verschwiegen habe ...). Nun haben wir ein Pfefferspray weniger und Petra musste irgendwas unterschreiben und ihre Adresse abgeben. Kaum sind wir 50 m von der Grenze weg, biege ich dann auch noch in die falsche Richtung ab und lande fast wieder auf der Brücke nach Amerika. Oh, nein. Doch meine heldenhafte Ehefrau verlässt unser gemeinsames Auto und erwirkt am Zoll, das man uns durch eine gesonderte Schranke wieder ins Land lässt. 


www.barriekoa.com
Mittwoch, 7. Juli 2004


Wanderung im Wellesley Island State Park


Camping "Wellesley Island State Park"
Montag, 5. Juli 2004


Lagerfeuerromantik


Welch ein Grundstück: Das Haus steht in Kanada, über das Brückchen geht es nach Amerika



Campingplatz "Hideaway Trailer Park" auf Quinte Isle
Dienstag, 6. Juli 2004


Der Marshmallow-Man

Unser Weg führt direkt wieder zum nächsten State Park, die hier Provincial Park heißen. Im Sandbanks Provincial Park erwarten uns aber nicht nur die höchsten Sanddünen Nordamerikas, sondern auch der schlimmste von allen Campingplätzen. Keine Duschen, kein fließendes Wasser, nur Plumpsklos, die dazu noch total verdreckst sind. Uns reicht es, wir verlassen noch am gleichen Tag den Campingplatz und fahren ein paar Kilometer weiter auf einen privaten Campingplatz, der wenigstens das Mindestmaß an "Luxus" bietet, das wir benötigen: Duschen und Toiletten. So können wir den Abend noch gemütlich am Lagerfeuer und den ersten gerösteten Marshmallows ausklingen lassen.


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