Die großen Seen - Lake Huron ...

 

Donnerstag, 8. Juli bis Sonntag, 11. Juli 2004

Canoeing und Hiking auf der Bruce Peninsula

Klaus:
Stell Dir vor, Du verfährst Dich und landest mit einem Male in einer traumhaften Bucht des Lake Huron und in dieser Bucht liegt direkt am Ufer ein kleiner Campingplatz. Ein einzelner Stellplatz auf einer kleinen Wiese mit Sitzbank, Feuerstelle und einem Kanu. Dann muss der falsche Weg wohl Schicksal gewesen sein! Wir bleiben natürlich dort (obwohl die Sanitärausstattung mal wieder "gewöhnungsbedürftig" ist), fahren knapp zwei Stunden mit dem Kanu auf den See hinaus und sitzen am Abend zusammen mit zwei Millionen Mücken noch lange am Lagerfeuer, bis uns die kühle Nacht in ein kuscheliges Bett im Bus treibt. 

Am nächsten Tag lesen wir in einer Info-Broschüre zum Bruce Peninsula Nationalpark: "Vorsicht, es gibt hier Schwarzbären. Sollten Sie einem Bären begegnen, beachten Sie die folgenden Vorsichtsregeln: 1. Halten Sie Ihre Arme hoch über dem Kopf, damit der Bär Sie für größer einschätzt. 2. Vermeiden Sie direkten Blickkontakt mit dem Bären. 3. Bewegen Sie sich langsam rückwärts. 4. Schätzen Sie sich glücklich, dass Sie einen Bären zu Gesicht bekommen. 5. Es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass Sie glücklich waren in Ihrem Leben" Naja, der letzte Punkt stand so nicht in der Broschüre, kommt mir aber an dieser Stelle so in den Sinn.

Wir haben aber bei zwei großen Wanderungen, die wir im Nationalpark gemacht haben, keinen Bären zu Gesicht bekommen. Dafür aber die ersten beiden Schlangen, wobei keine davon die berüchtigte Massasauga Klapperschlange war (auch hierzu der schöne Hinweis: "Wird man gebissen, heißt es Ruhe bewahren und so schnell wie möglich das nächste Krankenhaus aufsuchen. Das Gift der Massasauga Rattlesnake verursacht schmerzhafte Schwellungen, wirkt aber selten tödlich." Wie beruhigend! Und auch hierzu meint ein Parkangestellter: Seien Sie glücklich, wenn Sie eine sehen.)

Leider gibt es neben allen abenteuerlichen Erlebnissen aber auch noch über eine schmerzhafte Episode zu berichten: Am Sonntag Abend tritt Petra beim Verlassen des Busses an der Stufe vorbei und stürzt mit ihrem ganzen Körper auf den rechten Arm, der stark geprellt ist und anschwillt. Wir hoffen, dass es ausreicht, ihn in den nächsten Tagen ruhig zu halten und so auf einen Arztbesuch verzichten zu können.


Tobermory Village Campground (der mit den dreckigsten Waschräumen)
www.tobermoryvillagecamp.com
Freitag und Samstag, 9. und 10. Juli 2004


KOA-Camping Parry Sound 
(der Platz, auf dem Petra so schlimm auf den Arm gestürzt ist)
Sonntag, 11. Juli 2004



Campingplatz "Good Acres Park" in Stokes Bay
www.goodacres.ca
Donnerstag, 8. Juli 2004


Trapper Klaus auf dem Lake Huron


Buchten mit kristallklarem Wasser ...


... die ersten Schlangen ...


... und herrliche Aussichten erwarten uns im Bruce Peninsula National Park

Montag, 12. bis Dienstag, 13. Juli 2004

Die Mückenhölle im Tierparadies


Mit dem Schiff durch die Thirty Thousand Islands ...


... vorbei an kleinen Inseln mit nur einem Haus ...


... und durch enge Passagen.


Campingplatz im Killarney Provincial Park
Montag und Dienstag, 12. und 13. Juli 2004


Unser Platz liegt mitten in der "Stinktier Höhle" ...


... und direkt an einem kleinen Waldsee.


Petra hat zwar den Arm in der Schlinge,
trotzdem wandert sie eifrig über Stock und Stein.


Wahre Brutstätten für Mücken


Ein Reh zum Anfassen nah

 
Die Küste von Georg Island entlang, was alles andere als einfach ist.

Klaus:
Wir wohnen im "Skunk Hollow" - also in der Stinktier-Höhle! Nein, weder haben wir uns seit Tagen nicht gewaschen, noch haben wir mit einem Stinktier gestritten und sind unterlegen. Wir sind die nächsten zwei Tage im Killarney Provincial Park und der uns zugewiesene Platz liegt im sogenannten Skunk Hollow, was hoffentlich keine Anspielung auf einen nächtlichen Besuch ist. Von einem Skunk angespritzt zu werden, muss nämlich so mit zu den schlimmsten Erlebnissen gehören, die einem hier passieren können. Man hat uns sogar dringend davor gewarnt, einen auf der Straße überfahrenen Skunk noch einmal zu überrollen, da ansonsten der Wagen tagelang grausam stinken würde, was unsere Chance, auf einem Campingplatz Unterschlupf für die Nacht zu finden, dramatisch reduzieren würde.


Die Inseln der Thirty Thousand Islands

Der Tag hat heute sehr früh angefangen. Für unsere Verhältnisse nächtliche 7:30 Uhr haben uns aus dem Bett getrieben. Um 10:00 Uhr erwartet uns nämlich in Parry Sound die Island Queen zu einer dreistündigen Kreuzfahrt durch die 30.000 Islands. Richtig gehört: letzte Woche Montag haben wir uns noch die 1.000 Islands im St. Lawrence River angeschaut und nun haben wir uns noch einmal drastisch gesteigert. Bei herrlichstem Wetter und fast 30 Grad schippern wir durch eine riesige Schärenlandschaft mit von der letzten Eiszeit glattgeschliffenen Felsen, die üppig mit Nadel- und Laubbäumen bewachsen sind. Für den Kauf einer Insel muss man hier mitsamt Haus rund dreihundert bis fünfhundert Tausend kanadischer Dollar hinblättern (180.000 - 300.000 Euro).

Durch eine wilde, meist unerschlossene Landschaft geht es dann mit dem Auto auf dem Transkanada-Highway weiter nach Norden, bis wir schließlich nach rund 250 km (die sich bei Tempo 80 ganz schön ziehen) im oben erwähnten Killarney Provincial Park landen und einen wunderschönen, im Wald gelegenen Platz beziehen. Unsere nächsten Nachbarn sind durch die Bäume kaum zu sehen und nur ein paar Meter trennen uns von einem herrlichen See, der sogar über einen Sandstrand verfügt. Eichhörnchen und Streifenhörnchen laufen uns fast über die Füße und als wir Abends gemütlich am Lagerfeuer sitzen, hören wir mit einem Male ein Geräusch von unserem Bus. Da es hier Schwarzbären gibt, die auch schon mal über den Campingplatz auf Nahrungssuche sind, schwant uns nichts Gutes. Doch beim Ausleuchten des offenen Wagens mit der Taschenlampe zeigt sich, dass unser Bär noch nicht ganz ausgewachsen ist: Mit großen Augen schaut uns ein Waschbär neugierig an und verschwindet erst dann ganz langsam, als ich auf ihn zugehe. 

Am Abend und in der frühen Nacht sitze ich noch lange im Bus und schaue hinaus in die Natur. Einige Waschbären bekommen wir noch zu Gesicht, doch auf den Braunbären warten wir vergebens. Wer weiß, vielleicht in der nächsten Nacht!

Petra:
Von Zweien, die als fröhliche Wanderer losziehen und als menschliche Wracks wiederkommen:
Wir wandern wieder. Da wir angesichts der unglaublichen Mückenplage sowieso in den nächsten Ort fahren müssen, um uns irgendwie vor der nächsten zu erwarteten Attacke am Abend zu schützen, beschließen wir den empfohlenen Wanderweg in Killarney (500 Einwohner) zu gehen - den George Island Trail. 

Mit einem Wassertaxi setzen wir zur Insel über und wandern unserem Albtraum entgegen. Bereits im alten Testament hatte der liebe Gott dem auserwählten Volk die sieben Plagen geschickt (so habe ich das zumindest noch in Erinnerung), unter anderem schickte er einen Schwarm Heuschrecken. So ähnlich fühlen wir uns, sieben Plagen werden uns auferlegt, eine nach der anderen sind zu bestehen. Bereits zu Anfang waten wir durch tiefen Sumpf, der aber schnell geschafft ist. Dann trifft uns die erste Plage mit seiner ganzen Wucht. Mückenschwärme umschwirren uns, wir haben uns zwar ordentlich eingesprüht, aber die Mücken fallen trotzdem über uns her. Auch wenn sie nicht stechen, so nerven sie uns doch gewaltig. Der Weg geht weiter über anstrengende Pfade, er entwickelt sich zu einer anspruchsvollen Strecke. Unterwegs sehen wir wie immer Eichhörnchen, Streifenhörnchen, ein Reh steht direkt am Wegesrand und schaut uns zu. Nur den See sehen wir nicht, endlich erklimmen wir einen Aussichtspunkt, von dem wir den See erblicken können. Nun geht es wieder bergab, bis wir an das  Ufer gelangen. Dort wartet die zweite Plage auf uns, direkt vor Klaus schlängelt sich eine Schlange her, allerdings nur eine kleine. Nach gegenseitigem Friedensangebot können sowohl wir als auch die Schlange sich kurz ausruhen und sonnen. Danach führt der Weg am Ufer entlang, entwickelt sich aber zu einer wirklichen Herausforderung. Wir müssen über die glatten, herrlich rot schimmernden Felsen klettern und immer wieder sind Sumpfstücke zu durchqueren. Gut dass wir vernünftige Wanderschuhe besitzen, sonst wären wir längst abgerutscht oder hätten nasse Füße. Dann schickt uns der Herrgott die nächste Plage in Form von Riesenschneidern. Sie ähneln diesen zumindest etwas. Diese Insekten besitzen überhaupt keine Hemmungen und fliegen überall dorthin, wo wir sie nicht gerade haben möchten. Nach heftiger Gegenwehr sind wir sie endlich los und tauschen sie im Wald wieder mit unseren Mücken und Fliegen aus. 

Obwohl der Weg nur 7,5 km lang ist, eigentlich auch sehr abwechslungsreich und schön, brauchen wir drei Stunden und sind völlig entnervt, zerstochen und fix und fertig, als wir endlich wieder den Hafen erreichen und mit dem Wassertaxi übersetzen können. Der Tag ist gelaufen, abends fängt es an zu regnen. Aber bei lecker gefüllten Paprika können wir schon wieder über die uns auferlegten Prüfungen lächeln. Vielleicht sehen wir zur Entschädigung heute Nacht wieder den Waschbären ... 


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