Lake Superior ...



Dienstag, 20. Juli und Mittwoch, 21. Juli 2004

Der wilde Norden



Campingplatz "Lake Superior Provincial Park"
Dienstag &  Mittwoch, 20. & 21. Juli 2004


abendliche Lagerfeuer-Romantik


Frische Blaubeer-Pfannkuchen zum Frühstück 
im vor Mücken geschützten Pavillon


menschenleere, unberührte Strände


Feuerholz für den Grillabend

Klaus:
Alle hundert Kilometer mal ein Haus, verbunden durch eine Schotterstraße, die sich hier Highway nennt und zwischendurch immer wieder Bären, die die Straße vor einem überqueren sowie tote Waschbär-Kadaver am Straßenrand. Vielleicht zweimal in der Stunde kommt einem ein Truck entgegen mit großem Kuhfänger vor der Stoßstange, an dem noch das Blut der gerade überfahrenen Elche klebt. Jaa, das ist er, der wilde Norden Kanadas!

Naja, eigentlich alles Quatsch. So waren vielleicht meine Vorstellungen, aber in Wirklichkeit fahren wir eine breite, sehr gut asphaltierte Straße entlang, Tiere sehen wir keine, was wohl daran liegt, dass auch hier der Autoverkehr recht ausgeprägt ist. Die Autos der Kanadier sind zwar genau wie in Amerika ganz schöne Geschosse, aber so martialisch, wie oben beschrieben, sind sie nicht. Doch trotzdem hat die Gegend etwas von einer riesigen Wildnis. Links und rechts liegen riesige Waldflächen, die hier am Lake Superior recht häufig  von tiefblauen Seen unterbrochen werden, von denen man sich recht gut vorstellen kann, wie abends die Elche zur Tränke kommen. Und das die Rede von den Elchen keine Mär ist, besagen die vielen Straßenschilder, die immer wieder - speziell in der Nacht - vor Elchen warnen. Teilweise sogar mit großen Leuchttafeln.

So liegt auch unser nächster Campingplatz zwar recht nah am Trans-Kanada-Highway, doch trotzdem mitten im Wald nur ein paar Schritte vom Sandstrand des Sees entfernt. Durch den Wald können wir gerade noch das Auto unserer nächsten Nachbarn sehen, ansonsten haben wir eine kleine Lichtung ganz für uns allein. Wir bauen erstmals unseren Pavillon auf, um darin unser neu erstandenes Moskitonetz zu befestigen, das uns von einer ähnlichen Mückenplage wie im Killarney bewahren soll. Zum Glück haben wir aber solche Killermücken (deshalb hieß der Park wohl auch KILLarney) nicht mehr erlebt.

Es ist ganz gemütlich unter unserem Zelt im Zelt, doch als wir abends unser Lagerfeuer anmachen, setzen wir uns doch wieder direkt ans Feuer - auf das der dichte Rauch alle Mücken abhalten wird. Erstmalig nehmen wir hier nicht das gekaufte Feuerholz, sondern sammeln fleißig im Unterholz nach Ästen, die uns am Abend ein riesiges Lagerfeuer bescheren, das auch ausreicht, unser BBQ darauf zu bereiten. Hmm, richtig schön rauchig und doch herrlich saftig - also ich kann da nur ein Rib Eye Steak empfehlen - schmeckt köstlich, sogar ohne Bier!

Apropos Bier, wir haben einen neuen Beifahrer an Bord. Nachdem unser Abenteuerschlumpf leider auf der Überfahrt abhanden gekommen ist, haben wir uns als neues Maskottchen einen kleinen geschnitzten Schwarzbären auf das Armaturenbrett geklebt - in Anspielung auf meine fehlerhafte Aussprache in einem Gespräch mit Kanadiern haben wir ihn auf Black Beer getauft.

Donnerstag, 22. Juli und Freitag, 23. Juli 2004

Wir nehmen Abschied von den großen Seen

Klaus:
Piguisibi ist der Name der Ojibwa-Indianer für "Fluß aus feinem, weißen Sand" und genau diesen Fluss wandern wir heute entlang. Während beim Frühstück und bei der Abfahrt noch dichter Nebel über dem Lake Superior lag, haben wir jetzt wieder schönen Sonnenschein. Doch das Thermometer schafft es heute trotzdem nicht, über die 20 Grad Marke zu steigen. Für die Wanderung jedoch genau richtig, die uns entlang des Flusses an etlichen Stromschnellen vorbeiführt und immer wieder schöne Ausblicke auf Fluß, Wald und Seen bietet. Wie so häufig sehen wir sehr zutrauliche Eichhörnchen, die sich von unserer Neugierde nicht davon abhalten lassen, ganz in Ruhe an ihrem Zapfen weiterzuessen.

Laut Petra bin ich ja dabei, einen Bildband über die amerikanische und kanadische Tierwelt herauszubringen. Das Gerücht mag wohl dadurch entstanden sein, weil ich generell immer versuche, jedes Tier, das ich sehe, zu fotografieren: Rehe, Eichhörnchen, Streifenhörnchen, Gänse, Schlangen, Schildkröten, Frösche ... Dabei habe ich immer die Angewohnheit, so nah wie möglich - das heißt bis zur plötzlichen Flucht - an die Tiere heranzugehen, was schon einmal dazu führen kann, dass einem der nasse Frosch direkt in der Linse hängt. Die sind aber auch alle so faszinierend. Heute habe ich einen Frosch gesehen, der so unglaublich an den Waldboden getarnt war, dass ich ihn nie entdeckt hätte, wenn er nicht direkt vor meinen Füßen weggehüpft wäre.

In einem schwäbischen Restaurant (ja, auch so was gibt es hier) essen wir zu Mittag, bevor wir unsere Fahrt zu einer der längsten Tagesetappen mit fast 400 km fortsetzen, um schließlich am frühen Abend auf dem Campingplatz im Rossport Provincial Park zu landen, wo wir einen herrlichen Platz direkt am Lake Superior haben. Die Sonne versinkt zwar nicht im Wasser (was an einem Nordufer wohl nie passieren wird) taucht aber dafür den See und die vorgelagerten Inseln vor uns in ein wunderschönes Abendlicht, das die Farben noch intensiver leuchten lässt. Farben und Landschaften, die wir fest in unserem Kopf abspeichern, damit wir sie auch später immer wieder abrufen können!

Der letzte Grenzübertritt vor der Heimreise steht an. Wir verlassen zum dritten Mal Kanada, diesmal entgültig und ich gehe auch nicht davon aus, dass wir mit dem Auto die mexikanische Grenze überqueren werden (es sei denn, wir entschließen uns dazu, unsere Tour zu einer unbeschränkten Weltreise auszudehnen - haha, ist nur ein Witz!). Nachdem ich uns immer souverän durch den Zoll gelotst habe (naja, bis auf das eine Mal mit dem Pfefferspray und dem fehlerhaften Abbiegen nach der Grenze ...) ist diesmal Petra als Fahrerin dran. Ich bekomme absolutes Sprechverbot erteilt, was damit endet, dass wir diesmal unseren Wagen abstellen und im Zollgebäude ein spezielles Formular ausfüllen müssen, intensiv interviewt werden und unser Auto von innen kontrolliert wird. Das Ganze erweist sich aber als unproblematisch (wir verstecken unser Pfefferspray ja jetzt immer in Petras Wanderschuhen - da würde sich nie einer dran trauen), der Zöllner ist sogar von unserem deutschen Van so begeistert, dass er seinen Kollegen herbeiruft, damit der sich auch mal einen so ordentlich aufgeräumten Camper anschauen kann. Jaja, die Deutschen - alles Pedanten!


Der Pinguisibi Trail im Lake Superior Provincial Park


Herrliche Ausblicke vom Auto auf den Lake Superior


Der landschaftliche bisher schönste Campingplatz im
"Rossport Provincial Park"
Donnerstag, 22. Juli 2004


KOA-Camping Cloquet/Duluth
Freitag, 23. Juli 2004


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