Sequoia, Kings Canyon und Yosemite National Parks ...



Sonntag, 3. bis Dienstag, 5. Oktober 2004

Aus der heißen Wüste in die eiskalte Nacht der Baumgiganten



Visalia KOA
Sonntag, 3. Oktober 2004


Im Vergleich zu diesem zierlichen Baum habe ich wohl ganz schön abgenommen


Erstaunlich, die Wurzeln der Sequoias liegen gerade einmal alle nur einen Meter unter der Erdoberfläche
(die drei kleinen, weißen Flecken unten am Stamm sind übrigens Menschen)


Das größte Lebewesen der Welt - der General Sherman Tree


Lodgepole Campground im
Sequoia National Park
Montag, 4. Oktober 2004

 
Der Vollständigkeit halber: zwei Bilder vom herbstlichen Kings Canyon National Park

Klaus:
Man kann es sich nicht vorstellen, wie schön es ist, die Nacht in Kühle durchzuschlafen, wenn man nicht selber im Death Valley übernachten hat. Wir sind auf jeden Fall gerädert und nehmen uns für heute vor, endlich die Wüsten des Süd-Westens hinter uns zu lassen. 

So fahren wir einen ordentlichen Schlappen, durchfahren die Mojave-Wüste mit ihren vielen Joshua Trees und freuen uns, als wir in Kalifornien wieder auf weite Wiesen treffen - selbst, wenn diese aus goldgelbem Gras bestehen. Aber die Bäume zwischendurch tragen immerhin echte, grüne Blätter!

Brauchten wir in den ersten Tagen nach Las Vegas noch etwas Zeit, um uns wieder an das frühere Aufstehen zu gewöhnen, so klappt das am Montag ganz gut. Doch welch ein Erstaunen, als wir uns pünktlich um acht Uhr aus den Federn erheben: Es ist ja noch richtig dunkel! Wie sich eifrige Leser jetzt vielleicht erinnern, haben wir unsere Uhren immer zwei Stunden vorgestellt, damit wir es am Abend möglichst lange hell haben. Bisher stellte dies kein Problem beim Aufstehen dar, doch während unseres Las Vegas Aufenthaltes ist auch hier die Zeit, sprich der Herbst, nicht stehen geblieben - mit dem Ergebnis, dass die Sonne ab jetzt nicht mehr vor acht Uhr (bzw. sechs Uhr Ortszeit) aufgeht ...

Schon ein komisches Gefühl, so im Dunkeln über den Campingplatz zu tapern und beim Frühstück im Bus das Licht anzumachen. An der Tatsache, dass wir im Bus frühstücken, erkennt man übrigens auch, dass uns die Herbstfrische nach dem Death Valley bereits wieder eingeholt hat - mit dem Ergebnis, dass meine beiden Shorts, die nach der großen Wäsche vom Vortag über Nacht draußen trocknen sollten, nun leider völlig vom Morgentau durchnässt sind. 

Obwohl die gigantischen Mammutbäume des Sequoia National Parks direkt vor der Tür liegen, nutzen wir erst einmal die Nähe zum Factory Outlet von Visalia, um unsere Garderobe für wenig Geld etwas zu ergänzen. Diesmal bis ich es, der sich diverse Laufkleidung bei NIKE kauft - in der hehren Hoffnung, dass unsere Laufambitionen für 2005 dadurch beflügelt werden.

Die Sequoias, die uns dann erwarten, sind zwar wirklich gigantisch, jedoch für uns nicht ganz so neu, da wir ähnliche Exemplare bereits im Redwood National Park gesehen haben. Es ist aber lustig zu beobachten, wie andere Touristen die ersten Bäume bereits begeistert fotografieren, während wir es kaum für nötig erachten, die Kamera zu zücken. Dabei sind die Bäume wirklich gigantisch und einen Besuch wert. Damit man die Dimension mal so richtig erfassen kann: Würde man den Stamm des General Grant Trees (nach dem Volumen der drittgrößte Baum der Welt) mit Benzin füllen, so würde bei einem Verbrauch von 10l auf 100 km der Vorrat reichen, um 350 mal die Erde zu umrunden - oder man könnte 37 Millionen Tischtennisbälle in ihm verstecken. Zwanzig erwachsene Personen müssten sich an den Händen halten, um den Stamm des Baumes zu umspannen. Wahnsinn, oder?

Mehrer tausend Jahre sind diese Bäume alt und fast an jedem Stamm erkennt man deutliche Brandspuren von Waldbränden, die in all den Jahren über die Bäume hergefallen sind, ihnen aber nichts anhaben konnten. Ganz im Gegenteil, Brände führen dazu, dass die Zapfen der Sequoias aufspringen und den Samen freisetzen, aus dem neue Mammutbäume heranwachsen können. 

Der Abend lässt einen bereits wieder erahnen, dass die Nacht wohl ein wenig frostig wird. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es so empfindlich kühl, dass wir unser Abendessen (mexikanische Tortillas - die passen einfach zu Bevölkerung von Kalifornien) bereits im Bus einnehmen. Ein Vorgeschmack auf die Minusgrade, die unsere Nasen tief im Bettzeug verschwinden lassen ...


Campground im Millerton Lake State Recreation Area
Dienstag, 5. Oktober 2004


Mittwoch, 6. bis Donnerstag, 7. Oktober 2004

Bärenattacke



Upper Pines Campground im
Yosemite National Park
Mittwoch & Donnerstag, 6. & 7. Oktober 2004


5 Stunden herrliche Wanderung zu den Vernal Falls ...


... und an den oberen Rand der Nevada Falls ..


... mit tollem Blick auf die Granitfelsen der Sierra Nevada ...


... und zwischendurch immer wieder Bärenwarnungen.


Klaus:
Wir sitzen im Bus, draußen ist es bereits dunkel und wir haben fast alle Gardinen an unserem Auto geschlossen, als mit einem Male lauter Lärm direkt neben uns erschallt. Jeder Platz ist hier mit einer sogenannten Bear-Box ausgestattet, eine Art metallener Vorratsschrank, in den man all seine Lebensmittel und "duftenden" Körperpflegeartikel einräumen soll, damit kein Bär in Versuchung gerät, in Autos oder Zelte einzudringen (eindrucksvoll zeigen Fotos am Eingang des Campingplatzes, wie solche Autos dann aussehen). Der Lärm kommt von unserem Nachbarn, der nicht nur kräftig mit den Handflächen auf seine Bear-Box trommelt, sondern dazu auch noch laut schreit. Lärm, der von etlichen anderen Nachbarn durch lautes Rufen und Klopfen auf Blechtassen erwidert wird. Während wir gemütlich im Bus sitzen, hat zwei Meter neben unserem Auto ein junger Bär versucht, unserem Nachbarn den Wanderrucksack aus dem Schrank zu klauen - was im auch gelingt, denn der Rucksack findet sich schließlich im angrenzenden Wald wieder. Welch ein Erlebnis! Der erste Bär, der uns leibhaftig besucht - und das zu einer Uhrzeit, als die meisten Camper noch draußen am Tisch oder am Lagerfeuer sitzen. 

Doch eindringlich gewarnt werden wir vor den Bären bereits auf unserer Tageswanderung, die uns zu einigen beeindruckenden Wasserfällen des Yosemite National Parks führt - immerhin noch Wasserfälle, die auch Wasser führen, denn leider sind die berühmten Fälle, wie der Yosemite und der Breidal Veil wegen Wassermangels "außer Betrieb". Doch wir sind im Laufe unserer Tour schon so oft vor Bären gewarnt worden, dass wir dem nur noch sehr wenig Glauben schenken und es eher für übertriebene Panikmache halten.

Der Yosemite ist mal wieder ein richtiger Nationalpark zum Wandern. Gletscher haben dieses einmalige Tal in der Eiszeit aus dem massiven Granitblock der Sierra Nevada geschliffen, harte Abbruchkanten und Hunderte Meter hohe Wasserfälle geschaffen. Die Wanderwege sind mal wieder hervorragend angelegt und bieten immer wieder neue Anblicke auf Berge und das unter uns liegende Tal. Ein Park, der nicht nur uns begeistert, sondern auch viele Amerikaner. Nach dem Yellowstone ist er der am zweit häufigsten frequentierte Park der USA, was sich auch darin zeigt, dass wir gerade noch für zwei Nächte einen Platz auf dem Campingplatz bekommen, aber nicht verlängern können, da der Platz aufgrund des anstehenden Feiertages (Columbus Day) komplett ausgebucht ist. Vielleicht auch ganz gut so, denn im Hinblick auf die sanitäre Ausstattung ist dieser Platz sowie der vorhergehende im Sequoia NP doch eine ganz schöne Herausforderung  ...

Freitag, 8. bis Samstag, 9. Oktober 2004

Abschied von der Südwest-Rundreise


Klaus:
Und schon wieder ist eine große Etappe zu Ende - seit San Francisco folgen wir dem Routenvorschlag vom ADAC, der uns an die schönsten Stellen der südwestlichen USA geführt hat. Weitere 10.000 Kilometer stehen auf unserem Tacho (insgesamt schon 20.000 in Amerika plus 10.000 in Spanien) und nun geht es erst einmal ohne großes Programm zurück an die kalifornische Pazifikküste, wo wir langsam über Santa Barbara und Los Angeles nach San Diego trödeln werden, um dann wieder in entgegengesetzte Richtung nach Osten zu fahren. Die Tagen werden auch hier deutlich herbstlicher. Die Tagestemperaturen liegen zwar immer noch zwischen 25 und 30 Grad, doch in der Nacht können wir bei angenehm kühlen Temperaturen endlich wieder gut durchschlafen. Die Bäume färben sich herbstlich gelb und heben sich leuchtend von den grauen Granitfelsen und dem strahlend blauen Himmel ab.

Mal schauen, was uns nun im äußersten Süden erwarten wird, entlang der mexikanischen Grenzen durch die berühmtem Kakteenwälder. Wir haben uns auf jeden Fall heute mit mexikanischem Bier (Corona) auf die nächsten Wochen eingestimmt.

Draußen bläst ein kräftiger Sturm und zwingt uns in den Bus - sogar das Dach mussten wir runtermachen. Dafür leuchtet der Sternenhimmel wie immer: so etwas kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen, Tausende Sterne strahlen jeden Abend über uns und der Begriff "Milchstraße" gewinnt eine ganz neue Bedeutung. Wie schön ist es, abends im Dunkel im Bett zu liegen und durch die Fenster in den unendlichen Sternenhimmel zu schauen!


Mono Vista RV Park, Lee Vining
Freitag, 8. Oktober 2004


National Forest Campground am Isabella Lake
Samstag, 9. Oktober 2004


Wieder mal ein Foto für Brehms Tierleben


Abschied vom Wanderparadies Yosemite


Entlang des Tioga Pass ...


... über die Sierra Nevada ...


... bis zu den Tuffsteingebilden des Mono-Lake


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