Klaus, April 2014:

Wie sieht der Alltag auf Reisen aus?


Ein gern erzählter Witz unter Reisenden geht so: „Ich telefoniere mit einem Freund in der Heimat. Sagt der zu mir: Ihr habt ja die ganze Zeit Urlaub!“

Hier muss ich wirklich mal aufklären. Auch Reisende haben einen Alltag: Wir führen einen Haushalt, wir gehen einer Arbeit nach und pflegen unser Hobby.

Wir müssen ebenfalls Betten machen, Wäsche waschen, Wohnung putzen, Einkaufen und Essen zubereiten. Einiges gestaltet sich schon mal etwas schwieriger als daheim. Der Supermarkt ist nicht um die Ecke, sondern man muss ihn erst suchen. Die Wäsche wird nicht in die Waschmaschine gesteckt, sondern wird häufig mit der Hand gewaschen.

Abends sitzen wir mit Freunden zusammen, essen gemeinsam, trinken ein Bier und reden miteinander. Wir schauen uns ein Video an oder lesen ein gutes Buch. Tätigkeiten, die wir in ähnlicher Form früher daheim in unserer Freizeit gemacht haben.

„Aber Ihr müsst ja nicht arbeiten“ sagt da der Freund in der Heimat.

Das ist nur zur Hälfte richtig. Wir gehen nicht mehr im klassischen Sinne arbeiten. Das merkt man vor allen Dingen daran, dass wir kein Geld verdienen. Wir gehen jedoch auch einer regelmäßigen Tätigkeit nach. Den größten Teil des Tages verbringen wir hinter dem Steuer und fahren. Wir sind in drei Jahren 100.000 Kilometer gefahren. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h waren wir also 2.000 Stunden unterwegs. Legt man einen acht Stunden Tag zu Grunde, dann entspräche das in Deutschland einem knappen Jahr Vollzeit Arbeit.

Doch wir fahren nicht einfach planlos durch die Gegend. Wir investieren sehr viel Zeit in die Ausarbeitung unserer Route. In keinem Land sind wir nur dem Lauf der Panamericana gefolgt oder haben die Routen anderer Reisender abgefahren. Jeder Straßenkilometer wird von uns individuell geplant. Dafür lesen wir uns durch Tausende und Abertausende Seiten im Reiseführer, markieren uns die Sehenswürdigkeiten, machen Notizen. Wir recherchieren vorab im Internet, stehen im Erfahrungsaustausch mit anderen Reisenden und planen die für uns optimale Strecke auf der Landkarte.

Nahezu täglich haben wir einen Besichtigungspunkt auf der Tagesordnung. Wir schlendern durch Kolonialstädte, erklimmen Vulkane, durchqueren den Urwald, besichtigen Ausgrabungsstätten, beobachten Tiere, schauen uns Kirchen an, fahren Offroad-Pisten und machen geführte Exkursionen.

Ein großer Teil des Alltages wird durch unser Hobby eingenommen: Die Dokumentation der Reise. Eine solche Abenteuertour ist etwas einmaliges. Wir werden mit so vielen Eindrücken konfrontiert, dass die Erlebnisse von heute in der nächsten Woche schon wieder durch neue Ereignisse überlagert werden. Daher war uns von Anfang an wichtig, über unsere Reise zu berichten. Zuerst haben wir das für uns und unsere Familie daheim gemacht. Später haben wir gemerkt, auf welches Interesse unsere Reise auch in der breiten Öffentlichkeit stößt.

Petra kümmert sich um unseren Internetauftritt. Sie sichtet Tausende Fotos, wählt die schönsten aus und bearbeitet sie. Einen Bericht schreibt man auch nicht mal so eben, sondern es müssen noch einmal die Erfahrungen reflektiert und häufig Informationen im Internet recherchiert werden. Ich ergänze den Internetauftritt durch Reiseinformationen, wie die Beschreibung von Übernachtungsplätzen, Grenzformalitäten, Preisniveaus, Reisetipps und so weiter. In den drei Jahren unserer Reise sind so über dreihundert Internetseiten mit unendlich vielen Berichten und Tipps zur Panamericana entstanden.

Irgendwann habe ich dann noch meine Leidenschaft für das Schreiben von Büchern entdeckt, was zusätzlich einen großen Teil des Alltags einnimmt. Manchmal ist unser Alltag auf Reisen genauso durchgeplant wie früher unser Alltag daheim.

Doch etwas unterscheidet den aktuellen Alltag vom früheren Alltag. Wir können völlig frei über unseren Tagesablauf bestimmen. Niemand sagt uns, was wir zu tun haben, wir müssen keine Termine einhalten. Wir selber bestimmen, wohin wir fahren, was wir uns anschauen und wie viel Zeit wir dafür investieren. Wir haben zwar Pläne, nehmen uns aber die Freiheit, diese wann immer wir wollen über den Haufen zu werfen. Und das schönste ist, wenn wir in der Nacht schlecht geschlafen haben, dann schlafen wir am Morgen einfach mal zwei Stunden länger.