Klaus, November 2010:

Warum wurdet Ihr Abenteurer?


"Ihr seid aber noch keine Rentner! Dafür seid Ihr viel zu jung!"
"Stimmt."
"Aha, Ihr habt also geerbt!"
"Nein, wir haben jeden Euro selbst verdient."
"Wir konnten uns das in dem Alter aber nicht leisten!"

Ein Dialog, den wir immer mal wieder so oder in leicht abgewandelter Form führen müssen. Dabei werden wir meist gar nicht mit Fragen, sondern direkt mit Behauptungen konfrontiert. Auf die letzte Feststellung könnten wir verschiedene Antworten geben.

"Man muss sein Geld halt nicht nur verdienen, sondern auch sparen."

Doch die richtige Antwort ist eigentlich: "Was wir machen, hat weniger mit Geld, sondern mehr mit Mut, Abenteuergeist und Entscheidungsstärke zu tun."

Einfach mal Konventionen hinterfragen. Müssen wir wirklich arbeiten bis zum Burnout? Brauchen wir ein Haus, damit andere sehen, wie erfolgreich wir sind? Gibt es ein Gesetz, dass man tatsächlich bis 67 arbeiten muss? Muss man jemanden um Erlaubnis fragen, wenn man seine Karriere mit 43 beendet? Nein, nein, nein, nein!

Jeder hat sein Leben und das, was er damit macht, selbst in der Hand. Irgendwann habe ich für mich entschieden, 86 Jahre alt zu werden. Die ersten 43 Jahre waren dabei die Investition in die zweite Lebenshälfte, aus der wir nun den Profit abschöpfen. In 24 Jahren habe ich mich vom Azubi bis in die Führungsebene hochgearbeitet. Habe rund hundert Mitarbeiter betreut und konnte die Privilegien eines Managerlebens genießen. Ich war in der ganzen Welt unterwegs, habe in tollen Hotels gewohnt und in noblen Restaurants gespeist.

Doch Petra und ich kommen beide aus bescheidenen Verhältnissen und wir hatten nie das Befürfnis, das Leben unseren finanziellen Möglichkeiten anzupassen. Wir hatten eine wunderschöne Wohnung mit tollen Nachbarn. Wir brauchten keine Rolex am Arm und keine Kleidung von Armani. Wir machten lieber Camping als Urlaub im Hotel. Doch eines, das hatten wir immer zu wenig: Zeit! Zeit für uns und Zeit für einander!

Warum also nicht die zweiten 43 Jahre unseres Lebens nutzen, um etwas ganz anderes zu machen? Einfach aussteigen aus dem bisherigen Leben und die Welt bereisen. Sich fremde Länder nicht aus dem Taxi während einer Dienstreise anschauen oder in der perfekten Organisation einer Pauschalreise. Natürlich gab es genug Stimmen, die gesagt haben: "Das macht man nicht!" Viele, die gewarnt haben: "Ihr könnt doch nicht einfach Eure Sicherheiten aufgeben!" Und etliche, die uns leicht vorwurfsvoll mitteilten: "Ich würde das ja auch gerne machen, kann aber nicht wegen ..."

Es ist nicht mein Bestreben, unsere Lebensphilosophie als die einzig wahre darzustellen. Was im Endeffekt die richtige Entscheidung gewesen sein wird? Zu dieser Weisheit werden wir wohl erst mit 86 Jahren gelangen. Doch bis dahin genießen wir das Gefühl von Freiheit, den Hauch von Abenteuer und Zeit ... Zeit satt!