Klaus, November 2011:

Was ist für Euch das optimale Auto?


Wenn man sieht, mit welchen Fahrzeugen Reisende auf der Panamericana unterwegs sind, so scheint es den perfekten fahrbaren Untersatz nicht zu geben. Ob Fahrrad oder Motorrad, PKW oder Wohnmobil, Allrad-LKW oder Expeditionsmobil - der Individualität, den Ansprüchen und dem Geldbeutel sind keine Grenzen gesetzt.

Sehr früh stand für uns fest, dass kein Fahrzeug von der Stange in Frage kommt. Aufgrund früherer Langzeitreisen im VW-Bus konnten wir recht gut definieren, welche Ansprüche wir an ein Gefährt haben, in dem wir nicht nur einen dreiwöchigen Urlaub, sondern etliche Jahre unseres Lebens verbringen werden. Es sollte extrem stabil sein und doch leicht. Klein und wendig, doch mit ausreichender Wohnfläche. Ausgelegt für schlechte Straßen und weltweit reparierbar.

Da war klar, ein Expeditionsmobil soll es sein. Auf den ersten Blick ähnelt ein Expeditionsmobil einem Wohnmobil. Erinnert mit seinen eckigen Formen jedoch mehr an selbstausgebaute Postautos, Kühllaster und Militär-LKWs und weniger an die duchgestylten Wohnmobile der etablierten Hersteller. Expeditionsmobile sind meist handgefertigte Einzelstücke, die für den jeweiligen Einsatz optimiert werden. Alles ist viel stabiler gebaut als man es von den weißen Urlaubsgefährten kennt. Die aus Aluminum und PU-Schaum aufgebaute Wand unserer Kabine ist so fest, dass man ohne eine Beule zu hinterlassen mit der Faust dagegenschlagen kann. Die Echtglasfenster sind einbruchshemmend, die Außentüre mit Dreipunkt-Verriegelung massiver als viele Haustüren.

Von Anfang an waren wir uns einig, dass das Fahrzeug so klein wie möglich sein soll. Je breiter und länger, desto mehr Offroad-Pisten wären für uns unbefahrbar. Wir wollen bei der häufig armen Bevölkerung unserer Reiseziele keine Begehrlichkeiten wecken und bei einer hohen jährlichen Kilometerleistung spielt der geringere Spritverbrauch eine wichtige Rolle. Die Wahl des Basisfahrzeuges stand für uns recht früh fest: Ein Toyota Landcruiser HZJ79. Es gibt auf dem Markt in dieser Fahrzeugklasse eigentlich keine Alternative. Robust, kräftig, unverwüstlich, ohne Elektronik - keine Schönheit, sondern ein Arbeitstier.

Die Planung der Kabine war schon anspruchsvoller. Am liebsten Innen größer als Außen. Ein vermeintlicher Widerspruch, mit dem jeder Kabinenbauer kämpft, doch der sich in der Praxis häufig widerlegen lässt. Drei Dinge standen von vornherein fest: Das Auto bekommt ein Bad mit Toilette, ein festes Bett und einen Backofen. Wie oft haben wir im VW-Bus am Abend das Trinken eingestellt, weil wir keine Lust hatten in der Nacht aus dem Wagen zu müssen. Wie lästig war es, jeden Abend aus der Rücksitzbank ein Bett zu bauen, dessen Polsterung stets ein Kompromiss zwischen ergonomischer Matraze und straffer Sitzpolsterung war. Wie sehr haben wir uns nach frischem Brot gesehnt, wenn wir mal wieder auf pappigem Weißbrot kauten.

Wir brauchen Sitzplätze für zwei Personen, bei denen man auch bequem die Beine hochlegen kann. Gäste wollen wir natürlich auch bewirten können. Ein Kühlschrank kann nie groß genug sein; wegen der Energieeffizienz am besten eine Kühlbox. Wir kochen gerne, brauchen also einen Herd innen sowie eine Gassteckdose für einen weiteren Kocher außen. Durch die mehrstufige Filteranlage können wir auch aus schmutzigem Wasser Trinkwasser gewinnen. Solarpanele sowie die Kapazität von drei Autobatterien decken unseren Energiebedarf von fünf Tagen - bei ordentlichem Sonnenschein auch bis in die Unendlichkeit. Über einen Transformator haben wir stets 220 Volt an Bord, können also Geräte wie Laptops, Kameras, E-Reader und Handys jederzeit und überall laden.

Unser persönliches Highlight ist ein riesiges Klappdach, dass sich in sekundenschnelle aufstellen lässt und den Raum über Wohnbereich und Bett um ein Vielfaches erweitert. Heiße Luft kann besser nach oben entweichen. Wir können in unsicheren Gegenden über Nacht alle Fenster schließen und haben trotzdem große Lüftungsöffnungen im Zeltstoff. Können bequem im Bett sitzen und bekommen keine Platzangst wie in den klassischen Alkovenbetten.

Auf eines haben wir sehr bewusst verzichtet, was gerade unerfahrene Reisende verwundert: Auf zuviel Stauraum. Wir haben keine großen Küchenschränke, Kleiderschränke oder Hängeschränke. Keine Boxen für Fahrräder, keine Außenstaufächer für Werkzeuge und Ersatzteile. Unsere Staufläche ist spartanisch, doch dadurch haben wir ein sehr luftiges Raumgefühl in der Kabine. Wofür kein Platz ist, kommt einfach nicht mit. Und je länger wir reisen, desto weniger vermissen wir etwas. Freuen uns aber jeden Tag darüber, dass wir ein Auto haben, in dem man sich vernünftig bewegen kann.

Jahrelang haben wir an der Kabine geplant. Erst zweidimensional auf dem Papier, dann dreidimensional auf dem Computer. Stets mussten wir die ausgeklügelte Platzausnutzung mit der optimalen Gewichtsverteilung in Einklang bringen. Zuletzt baute ich sogar ein Modell im Maßstab 1:10, um ein besseres Gefühl für die Anordnung der Fenster zu bekommen.

Verwirklicht wurde unser Traumauto von der Firma Alpha-CAB - weit über Deuschlands Grenzen hinaus bekannt für höchste Qualität im Individualausbau von Expedionsfahrzeugen. Auch wenn uns während der Reise immer mal wieder Kleinigkeiten auffielen, die man gegebenenfalls optimieren könnte, so sind wir sicher, dass perfekte Fahrzeug für unsere Art von Reisen und Leben gefunden zu haben.