Fünf Regionen Mexikos, die man gesehen haben sollte


Klaus, Dezember 2011:


Baja California: Einsame Strände, Wüsten und ein Offroad-Paradies

Die 1.300 Kilometer lange Halbinsel im Nordwesten ist die am dünnsten besiedelte Gegend Mexikos. Somit ein optimales Ziel für alle, die es lieben an einsamen, traumhaften Stränden zu campen und dabei noch das Budget zu schonen. Im Sommer wird es hier brutal heiß, doch im Herbst/Winter hat man angenehm warme Tagestemperaturen bei kühlen Nächten. Jährlich zieht es Tausende Surfer auf der Suche nach der perfekten Welle an die aufgewühlte Pazifikküste, während der Golfo de California mit seinen vorgelagerten Inseln ein ruhiges Ziel für Kayakfahrer oder Schnorchler bietet.

Erst mit einem geländegängigen Auto erschließt sich der ganze Reiz der Baja. Man kann tagelang über Pisten im Hinterland fahren, ohne auch nur eine Menschenseele zu treffen. Dafür findet man die schönsten Strände, endlose Kakteenwälder oder imposante Missionen, die ein stilles Zeugnis der Christianisierung ablegen. Für jeden Schwierigkeitsgrad gibt es Offroad-Pisten: Warum nicht mal die Strecke der Ralley "Baja 1000" abfahren? Auf der Piste nach Punta San Carlos geht es durch eine Gegend wie im US-amerikanischen Death Valley. Einziger Unterschied: Hier kann man auch abseits jeglicher Straße wild durch die Wüste fahren. Wer gerne testen möchte, ab wann sein Auto umkippt, findet ausreichende Möglichkeiten: Endweder kann man harmlos in den Sand kippen, oder spektakulär über die Klippen ins Meer. Vierrad, Bodenfreiheit, Untersetzung, Differentiale, Schaufeln und Sandbleche - hier kann man alles mal einsetzen.

Doch was wäre die Baja ohne seine Tierwelt. Ab Januar kommen die Grauwale, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Meterlange Finwale oder Walhaie sind dagegen das ganze Jahr über hier heimisch, doch muss man dafür schon mit dem Boot rausfahren. Von vielen Stränden dagegen kann man das Spiel der Delfine in den Wellen beobachten oder Seelöwen, die sich in der Abendsonne treiben lassen. Wer es eher kulinarisch mag: Warum nicht mal Hummerkrabben fangfrisch vom Kutter probieren?


Yucatan Halbinsel: Türkisfarbenes Wasser, weiße Strände und faszinierende Mayastätten

Einmal mit dem eigenen Auto bis zur Karibik fahren - für mich war das ein Traum. Die Strände aus feinstem Korallensand sind so weiß, dass man geblendet wird. Das Wasser ist wirklich so türkisfarben und klar, wie man es aus Reiseprospekten kennt. Beim Schnorcheln kann man bunt schillernde Fische beobachten. Wir übernachten am Strand mit Blick auf's Meer, ein bunt bemaltes Fischerboot liegt neben uns im Sand, unsere Hängematte haben wir zwischen zwei hohen Kokospalmen aufgespannt. Das Wasser hat angenehme 30 Grad - zu warm, um darin zu schwimmen, aber genau richtig, um ein eiskaltes Bier zu trinken.

Doch mit viel Zeit und einem eigenen Auto lässt sich noch so viel mehr auf der Yucatan Halbinsel entdecken. Tausende rosafarbene Flamingos erwarten uns in Rio Lagartos und Celestun. Die verwinkelten Höhlensysteme von Loltún wollen ebenso erkundigt werden, wie etliche, mit klarem Wasser gefüllte Cenotes. Überall treffen wir auf riesige Eidechsen, die faul in der Sonne liegen. Haifische sind eine Spezialität in Campeche und können in allen Größen auf dem Markt gekauft werden.

Doch das eigentliche Highlight ist die faszinierende und hier bestens konservierte Geschichte der Maya. Nach der Besichtigung von Chitchen Itza können wir verstehen, dass diese Stätte zu den sieben neuen Weltwundern zählt. Weitere Zeugnis der atemberaubenden Maya Architektur finden wir in Uxmal. Kleine Stätten wie Kabáh und Labná verzaubern uns mit ihren detailreichen Fassaden, Calakmul im Dschungel nach Guatemala durch seine Einsamkeit. Wir fühlen uns tausende Jahre in der Geschichte Mexikos zurückversetzt. Einsam durchstreifen wir halbverfallene Ruinen, besteigen hohe Pyramiden und blicken hinab auf vom Urwald bewachsene Hügel, die alle noch Relikte der Vergangenheit beherbergen und nur darauf warten ausgegraben zu werden.


Chiapas: Indigene Gegenwart und tropischer Urwald

Die Zapatistenaufstände von 1994, die von der mexikanischen Regierung blutig niedergeschlagen wurden, fanden ihren Weg bis in die deutschsprachigen Nachrichten und prägen teilweise bis heute das Bild vom gesetzlosen Chiapas. Und tatsächlich: Chiapas ist anders. Eine Fahrt durch Chiapas ist auch heute noch ein Abenteuer. Fremde Dialekte, unpassierbare Dschungelpfade, Affen in den Bäumen und Dörfer, die sich für unabhängig vom Staat Mexiko erklärt haben. Trachten sind mit einem Male die Regel und nicht die Ausnahme. Die Frauen tragen wunderschöne, filigran bestickte Blusen zu bunten, mehrfach um die Hüften gewickelten, langen Röcken. Männer Umhänge, die aussehen, wie ein Flokati-Teppich oder blau-rot-weiß gestreifte Hosen zu Hemden mit riesigen Krägen.

Die bunten Märkte dienen nicht nur dem Verkauf von Waren, sondern sind auch Orte der Zusammenkunft. Lebende Hühner werden einem aus runzligen Händen entgegengestreckt. Wollige Küken gehen ebenso für 10 Pesos über den Ladentisch, wie blank geputzte und zu filigranen Pyramiden aufgestapelte Tomaten oder Raubkopien der neuesten Kinofilme. In Garküchen werden frische Tortillas zubereitet, kleine Mädchen verkaufen selbstgemachte Backwaren, kleine Jungs putzen Schuhe, alte Frauen laufen barfuß über das kalte Kopfsteinpflaster und erbetteln ein paar Pesos. Die schönsten Handarbeiten wechseln für kleines Geld den Besitzer. Die Menschen sind arm, doch herzlich.

Wir fahren hinauf in die letzten Bergnebelwälder Mexikos. Die Piste ist erbärmlich, steil und wegen der Regenzeit in einem katastrophalen Zustand. Wir durchqueren ein Dorf und die Kinder laufen laut schreiend auf uns zeigend in ihre Hütten. Nur Sekunden später beobachtet uns das ganze Dorf aus den Tür- und Fensterrahmen. Touristen sind hier noch unbekannt. Wir übernachten ein paar Kilometer höher in den Bergen neben einer kleinen Hütte. Der Dorfvorstand kommt persönlich vorbei, um uns zu begrüßen und unsere Sicherheit zu garantieren. Der Abschied am nächsten Morgen verläuft herzlich und wir werden mit frischem Gemüse beschenkt.


Im Hochland von Mexico City: Atemberaubende Vulkane und atemraubende Wanderungen

Wenn sich mit einem Male die Spitze des Popocatépetl über den Wolken zeigt, verschlägt es einem unweigerlich den Atem. Mit 5.452 Metern ist er zwar nicht der höchste Berg Mexikos, aber er ist das majestätische Sinnbild für einen Vulkan. Der kegelförmige Gipfel ist in ewiges Eis gehüllt. Ab und zu steigen Rauchwolken aus seinem Krater auf und vergegenwärtigen die Gefahr, die in diesem Riesen schlummert, zu dessen Füssen die 25 Millionen Metropole Mexiko City liegt.

Bis auf 3.650 Meter fahren wir mit unserem Auto hinauf auf den Paso de Cortés, übernachten genau zwischen den beiden Berggiganten Popocatépetl und Iztaccihuatl. Die Luft wird immer dünner, als wir uns zu Fuß bis auf 4.000 Höhenmeter dem Gipfel des Iztaccihuatl nähern. Noch höher hinaus geht es für uns bei der anstrengenden Besteigung des Vulkans La Malinche. 4.214 Meter zeigt unser Höhenmesser als wir knapp unterhalb des Gipfels aufgeben müssen. Jeder Schritt wird zur Qual, jeder Atemzug so dünn, das wir die letzten Meter auf allen Vieren klettern.

Traumhafte Übernachtungsplätze erwarten uns in zu Hotels umgebauten und detailgetreu renovierten alten Fabrikanlagen, die von der mexikanischen Sozialversicherung für ihre Mitglieder betrieben werden. Schornsteine aus rotem Backstein erheben sich über alten Fabrikfassaden aus Naturstein, deren riesige Fenster durch Bordüren eingefasst sind. Ein Hallenbad mit unglaublichen Ausmaßen gibt uns die Möglichkeit nach den anstrengenden Wanderungen der letzten Tage zu entspannen.


Die Kolonialstädte des zentralen Hochlandes: Lebendige Zeitzeugen der spanischen Eroberung

1517 beginnt die spanische Kolonialherrschaft mit der Entdeckung der Halbinsel Yucatan durch spanische Seefahrer. Nur zwei Jahre später startet Hernán Cortés mit der Eroberung des Aztekenreiches, die 1521 mit der Niederschlagung des letzten Aztekenkönigs Cuauhtémoc endet. Reiche Silbervorkommen und landwirtschaftliche Güter wie Kaffee, Schokolade, Sisal und Zucker sichern der spanischen Krone ebenso wie den spanischen Einwanderen ein gutes Einkommen und führen zur Gründung prachtvoller Kolonialstädte.

Die Kirchen konkurrieren um die prachtvollsten Fassaden und die Gold verzierten Innenräume glitzern bis in die kleinste Ecke im Kerzenschein. Die Gouverneurspaläste ruhen auf gewaltigen Säulen und beherbergen in ihrem Innern auf riesigen, farbenprächtigen Wandgemälden - den Murales - die Geschichte der Stadt und des Landes. Reiche Kaufleute erbauten prächtige Stadthäuser mit arkadenumsäumten Innenhöfen und wasserspeienden Brunnen.

Mexikos Kolonialstädte laden ein zum Schlendern durch die Gassen, zum Verweilen auf schattigen Plätzen. In Queretaro stoßen wir auf ein 1.280 Meter langes Aquadukt, das die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte. Die Innenstadt von San Miguel de Allende wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt und verzaubert durch einen wunderschön restaurierten Stadtkern. Die alte Silberstadt Guanajuato liegt eingezwängt zwischen Berghängen und besticht durch die engen Gassen und kleinen Plätze. Der Straßenverkehr wird aus Platzmangel durch Tunnel im ausgetrockneten Flußlauf unter der Stadt hindurch geführt. Zacatecas gilt als eine der schönsten Kolonialstädte Mexikos. Noch heute wandert man über Kopfsteinpflaster vorbei an prunkvollen, herrschaftlichen Kolonialbauten.