Allgemeine Reisetipps für Nord-, Zentral- und Südamerika:


Klaus, August 2012:


TOURENPLANUNG

Landkarten

In den lateianamerikanischen Staaten südlich von Mexiko ist es sehr schwierig (bis unmöglich) vernünftiges Kartenmaterial zu bekommen. Daher sollte man jegliche Karten bereits im Vorfeld in Deutschland kaufen. Sehr gute Erfahrung haben wir mit den Karten aus dem "Reise-Know-How-Verlag" und von "ITMB - International Travel Maps" gemacht.

Karten für Navigationssysteme

Frei verfügbare Karten für Garmin Navigationssysteme sind während der Tour recht einfach von anderen Travellern zu erhalten und decken den kompletten zentral- und südamerikanischen Kontinent ab. Wir haben sehr gute Erfahrung mit diesen elektronischen Karten gemacht. Die Qualität war häufig besser, als bei den gedruckten Landkarten.

Bei den jeweiligen Typen von GPS-Geräten werden die Karten im internen Speicher unterschiedlich benannt. Die jeweils installierte Karte hat meist die Endung ".img". Suche mit Hilfe des Explorers die größte Datei mit der Endung ".img" auf Deinem Navi (ggf. muss der Explorer so eingestellt werden, dass er auch versteckte Systemdateien anzeigt) und ersetze diese Datei mit der neuen Karte. Dabei ist wichtig, dass die neue Karte exakt so umbenannt werden muss, wie die Ursprungsdatei im Navi. Namensergänzungen bei den getauschten Karten (wie z. B. Colombia_, Argentina_, usw.) dienen nur zur Info für die Traveller, zu welchem Land die Dateien gehören, müssen aber unbedingt vor dem Überspielen aufs Navi gelöscht werden.

Reiseführer

Wir haben persönlich gute Erfahrung mit den Reiseführern aus dem "Reise-Know-How-Verlag" gemacht (insbesondere USA, Mexico, Peru/Bolivien und Brasilien sind Spitzenklasse). Darüber hinaus nutzen wir sehr stark die Websites anderer Reisender, da hier die Informationen viel aktueller sind, als im Reiseführer. Eine sehr gute Quelle für Websites von Reisenden, die gerade im Moment in Nord- und Südamerika unterwegs sind, findet sich auf der von Joachim hervorragend gepflegten Informationsseite www.panamericanainfo.com.


DOKUMENTE

Notwendige Dokumente

Wichtig sind der Reisepasss, die Führerscheine und der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil 1). Wir brauchten nie den Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil 2), die internationalen Führerscheine, den internationalen Fahrzeugschein, ein Carnet de Passage!

Kopien der Dokumente

Vor der Reise sollte man ausreichend Farbkopien der o. g. Dokumente erstellen und diese säuberlich laminieren. Außerhalb der Grenzen haben wir nie unsere Original-Dokumente bei Kontrollen vorgezeigt. Die Kopien wurden stets problemlos akzeptiert. Insbesondere in Nicaragua kommt es häufig vor, dass man wegen (vermeintlicher) Verkehrsdelikte seinen Führerschein von der Polizei entzogen bekommt und diesen erst nach Bezahlung einer Strafe auf dem Polizeirevier (ggf. in der Hauptstadt) zurückerhält. Dann ist es natürlich besser, wenn man nur eine Kopie abgibt.

Ersatzdokumente

Wir haben uns vor der Reise einen zweiten Reisepass ausstellen lassen. Dieser ist fünf Jahre gültig und wird problemlos ausgestellt, wenn man als Grund eine Weltreise angibt.


VERSICHERUNGEN

Auslandskrankenversicherung

Es werden Auslandskrankenversicherungen mit einer Laufzeit zwischen ein paar Monaten und fünf Jahren angeboten. Ein großer preislicher Unterschied ist bei vielen, ob die USA eingeschlossen ist oder nicht. Eine Auslandskrankenversicherung kann nur gültig im Heimatland abgeschlossen werden! Es gibt Versicherungen, die bieten auch die Möglichkeit, dass man die Versicherung online abschließen kann. Das entbindet jedoch nicht vor der Verpflichtung, dass man sich zum Zeitpunkt des Abschlusses im Heimatland befindet. Bei ernsthaften Erkrankungen fordert die Versicherung einen Nachweis an (meist das Flugticket), aus dem deutlich hervorgeht, dass man die Versicherung in Deutschland abgeschlossen hat. Schummeln geht hier nicht! Im schlimmsten Fall bleibt man nicht nur auf den umsonst gezahlten Versicherungsprämien sitzen, sondern auch auf Tausenden von Euros für Krankenbehandlung im Ausland.

Bei den meisten Versicherungen gibt man bei Abschluss die Gesamtlaufzeit an. Sollte man bereits früher von der Reise zurückkehren, werden die zuviel gezahlten Beträge erstattet (sich im Vorfeld in der Vertragsbedingungen erkundigen). Beim ADAC ist es darüber hinaus noch möglich, einmalig die Versicherung bis zur maximalen Vertragslaufzeit von zwei Jahren zu verlängern. Sollte man zeitlich unbefristet auf Reise gehen, macht es daher Sinn, eine möglichst lang laufende Versicherung abzuschließen. Läuft die Krankenversicherung während der Reise aus und kann nicht verlängert werden, dann muss man entweder bis zum Ende der Reise auf den Schutz der Krankenversicherung verzichten oder zurück in die Heimat fliegen, um eine neue Versicherung abzuschließen.

Plant man mit dem Frachtschiff von Montevideo/Uruguay zusammen mit dem Fahrzeug nach Deutschland zu verschiffen, so ist eine gültige Auslandskrankenversicherung zwingend vorgeschrieben!

Autoversicherung

Die in der Heimat abgeschlossene KFZ-Versicherung hat keine Gültigkeit in den USA und Lateinamerika. Wir haben daher problemlos von unserer Versicherung (KRAVAG) auch nach über einem Jahr rückwirkend alle gezahlten Gebühren zurückerhalten, als wir den Verschiffungsnachweis von Deutschland nach Kanada eingereicht haben.

In den meisten Ländern Nord-, Zentral- und Südamerikas besteht eine Versicherungspflicht für das Fahrzeug. Am teuersten ist die Versicherung für die USA. Wir haben diese über SeaBridge for Motorhomes abgeschlossen. Nach einem halben Jahr haben wir die amerikanische Autoversicherung bei der Versicherungsagentur direkt verlängert, konnten diesmal jedoch amerikanische Führerscheine vorlegen und mussten daher bei gleicher Leistung nur noch die Hälfte der Prämiensumme zahlen. In den Ländern Zentralamerikas kann die Autoversicherung immer direkt an der Grenze sehr einfach und kostengünstig abgeschlossen werden.

Ab Ecuador haben wir eine Haftpflicht-Versicherung über "Nowag Internationale Versicherungen" abgeschlossen. Da viele Länder Zentralamerikas sowie Kolumbien bei Nowag nicht im Versicherungsumfang sind bzw. in den Ländern nicht akzeptiert wird, lohnte sich für uns der Abschluss erst ab Ecuador. War problemlos per Email möglich und der Versicherungsschein wurde schon nach zwei Tagen als PDF gemailt. Die Prämie für ein Jahr (Aug. 2012 - Aug. 2013) liegt bei 934 US$ bzw. 775 Euro.


FINANZEN

Kredit- und EC-Karten

Das Abholen von Geld an Geldautomaten funktioniert in jedem Land. Man sollte vorher mit seiner Hausbank klären, ob diese Funktion von der Bank auch in Lateinamerika freigeschaltet ist. Bei der Deutschen Bank musste es im Vorfeld freigeschaltet werden, während bei der Sparkasse keine Einschränkung im System war. Aus Sicherheitsgründen haben wir bei den Banken eine maximale Abholsumme pro Tag und eine maximale Abholsumme pro Woche eintragen lassen.

Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass es Sinn macht, Karten von verschiedenen Banken dabei zu haben. Häufig wurde die EC-Karte einer Bank am Automaten nicht akzeptiert, dafür jedoch die der anderen. Wenn man mal dringend Geld braucht, kann das lästig sein. Neben der in Deutschland gängigen MAESTRO-Card sollte man auf jeden Fall noch eine VISA-Card dabei haben. Gerade in Zentralamerika akzeptieren viele Automaten nur die VISA-Card.

Im Vorfeld macht es Sinn, darauf zu achten, wie hoch die Gebühren der Hausbank für Geldabholungen im Ausland sind. Da die maximalen Beträge am Automaten häufig nur bei rund 150 Euro pro Abhebung liegen, summieren sich die Bankgebühren schon ganz schön.

Sehr gute Erfahrung haben wir mit der VISA-Kreditkarte der Landesbank Berlin gemacht, die über den ADAC erhältlich ist. Man kann damit kostenlos an jedem Automaten im Ausland Geld ziehen. Bei der Bezahlung an der Tankstelle werden jedoch Gebühren fällig, doch es gibt zum Ausgleich 1% Tankrabatt mit der Kreditkarte. Als uns die Karte in Chile wegen Missbrauch gesperrt wurde, hat uns die Landesbank Berlin kostenlos eine Ersatzkarte per Expressbote nach Chile geschickt.


KOMMUNIKATION

Internet

Freie WIFI-Netzwerke sind in den USA und Lateinamerika weit verbreitet. In den USA generell an den Bibliotheken und auf vielen Campingplätzen. In Lateinamerika sehr häufig an den zentralen Plätzen vor der Kirche. Darüber hinaus sind viele Netzwerke von privaten Personen, Restaurants und Hotels unverschlüsselt. Wenn doch, bekommt man meist problemlos den Code. Als sehr hilfreich hat sich bei uns eine Verstärkerantenne für das Notebook bewährt, mit dem auch Netzwerke in Hunderten von Metern Entfernung problemlos empfangen werden. Gerade auf den Campingplätzen ist mit der eingebauten Standardantenne häufig nur der Empfang direkt am Rezeptionsgebäude möglich, während mit der externen Verstärkerantenne auch aus dem Auto heraus das WIFI-Netzwerk genutzt werden kann.

Wir haben persönlich sehr gute Erfahrung mit der Nutzung der WIFI-Schnittstelle unseres I-Pod touch (nicht I-Phone) von Apple gemacht. Dieser ist klein und unscheinbar, man kann ihn überall in der Stadt mal schnell aus der Tasche holen und checken, ob ein offenes WIFI-Netzwerk zur Verfügung steht. Wir bearbeiten damit unsere Emails, surfen im Internet, Telefonieren über Skype, laden Podcasts von Tagesschau und Deutsche Welle, hören deutsches Radio - und das alles völlig kostenlos und ohne Vertrag.

In vielen Ländern kann man sich recht problemlos und günstig einen USB-Stick mit Prepaid-SIM-Card kaufen. Das macht Sinn für diejenigen, die länger in einem Land bleiben und gerne immer und überall online sein wollen. Für uns kam diese Lösung nie in Frage, da die WIFI-Versorgung für unseren Bedarf fast überall ausreichend war.

Gerade in Lateinamerika, wo nicht jeder einen eigenen Computer hat, gibt es an jeder Ecke Internetcafes. Die meisten sind auch mit Kopfhörern und Mikrophonen für Skype ausgestattet. Selten kostet die Stunde im Internetcafe mehr als 1 Euro pro Stunde.

Telefon

Mit Familie und Freunden telefonieren wir fast ausschließlich über Skype. Die Telefonie von Computer zu Computer über das Internet ist kostenlos, doch man kann sich auch ganz einfach sein Skype-Konto mit 10 Euro aufladen und kann dann jeden Festnetz- und Handyanschluss weltweit recht günstig anrufen. Häufig nutzen wir diese Funktion, um die Lieben in der Heimat zu bitten, mal eben den Computer einzuschalten und Skype zu starten. Ab dann ist der Anruf wieder kostenlos.

Im Vorfeld haben wir uns auch Gedanken über ein Satelittentelefon gemacht, dies jedoch wegen der recht hohen monatlichen Fixkosten schnell wieder ad acta gelegt. Für Notfälle haben wir stattdessen ein Handy mit deutscher Prepaid-Karte dabei, welches immer eingeschaltet ist. In den meisten Regionen hatten wir damit über unterschiedliche Provider Emfpang und hätten problemlos angerufen werden bzw. telefonieren können.


AUSRÜSTUNG

Schaufel, Axt, Machete

Eine kleine, handliche Schaufel haben wir immer wieder benötigt. Sei es, um die Reifen aus dem Sand oder Matsch zu buddeln, das Fahrzeug für die Übernachtung zu leveln oder um Abwässer zu vergraben. Wer Lagerfeuer liebt, sollte eine vernünftige Axt dabei haben (nicht nur ein kleines Beil). Die Machete hat uns nicht nur treue Dienste bei Offroadfahrten über Dschungelpassagen erwiesen, sondern ist auch optimal zum Öffnen von Kokosnüssen. Macheten in den unterschiedlichen Größen kann man gut und preiswert in Zentralamerika kaufen.

Wagenheber

Aus Gewichtsgründen führen wir nur den Standard-Toyota-Wagenheber mit uns, haben auch bei Offroadfahrten nie einen zweiten Wagenheber bzw. einen Hi-Lift vermisst. Ehrlich gesagt, wenn die Piste so schlecht wäre, dann drehen wir vorher um, bevor wir eine Beschädigung am Fahrzeug riskieren.

Seilwinde

Wir haben keine und auch noch nie vermisst. Meist kann man sich mit Graben und den Sandblechen aus jeder Situation befreien. Ansonsten kommt auch auf den einsamsten Straßen irgendjemand vorbei, der einen mit dem Auto rausziehen kann.

Sandbleche

Haben wir sehr häufig benutzt. Insbesondere im weichen Sand ist der Toyota mit der schweren Kabine überfordert und gräbt sich ein (ich bin aber auch meistens zu faul, die Luft aus den Reifen zu lassen).

Kompressor

Wir haben einen kleinen Handkompressor von VIAR dabei, der wenig Platz wegnimmt und schnell einsatzbereit ist. Um vier Reifen von 2,0 auf 3,75 (vorne) bzw. 4,5 (hinten) zu füllen, braucht er zwanzig Minuten. Sinnvoll wäre sicherlich, einen festen Drucklufttank einzubauen, um auch regelmäßig den Luftfilter ausblasen zu können (dafür reicht unser Kompressor nicht aus).

Warndreieck

Für Nicaragua sind sowieso zwei Warndreiecke vorgeschrieben. Doch es macht auch wirklich Sinn, mindestens diese Anzahl mit sich zu führen, um das Auto sowohl nach hinten, als auch nach vorne optisch abzusichern. In Lateinamerika ist es darüber hinaus üblich, große Zweige von den Bäumen zu schneiden, um diese in regelmäßigen Abständen als sichtbare Barriere auf die Straße zu legen.

Werkzeug

Wir führen eine Standardausstattung an qualitativ hochwertigem Werkzeug mit uns (Schraubschlüssel, Schraubendreher, verschiedene Zangen, ...). Als sehr hilfreich haben sich herausgestellt: kräftige Schraubzwingen, kleine Metallsäge, Handbohrmaschine mit Holz- und Metallbohrern, Strommessgerät, Spanngurte, Silikonspritze mit SIKA 221-Kartusche.

Auto-Ersatzteile

Es reicht nicht nur aus, sich im Vorfeld zu erkundigen, ob die benutzte Automarke Niederlassungen in den zu bereisenden Ländern hat. Wenn möglich sollte man auch prüfen, ob der Wagentyp und vor allen Dingen der Motor genutzt wird. Toyota ist zum beispiel überall in Nord-, Zentral- und Südamerika vertreten, aber nicht unser Landcruiser. Wenn dann Landcruiser gefahren wird, dann fast nur der Benzinmotor. Die Ersatzteilversorgung für alle Dieselspezifischen Teile ist daher sehr schwer bzw. unmöglich (Techniker für die Arbeiten finden sich jedoch überall problemlos). Aus diesem Grunde führen wir die folgenden Verbrauchsteile mit uns: Ölfilter und Dieselfilter in ausreichenden Mengen, Keilriemen, Zahnriemen, Bremsbeläge.

Bettzeug

Die Nachttemperaturen bei einer Panamericana-Reise können zwischen 35° in Zentralamerika und -20° im Hochland Boliviens schwanken. Man muss also einserseits für alle Eventualitäten gerüstet sein, während andererseits der Stauraum Grenzen aufweist. Als gute Kombination hat sich für uns die folgende Kombination herausgestellt:

- Eine Kombidecke, die aus zwei zusammengeknöpften Übergangsdecken besteht
- Ein dickes Plumeau
- Ein Schlafsack mit Komfortbereich 0°

Diese nutzen wir in den unterschiedlichen Klimaregionen wie folgt:

- Sehr warme Nächte: Nur die Bettbezüge.
- Normale Nächte: Die Kombidecke geteilt, so dass jeder ein Übergangsdecke hat.
- Kühle Nächte: Einer hat das dicke Plumeau, der andere die Kombidecke bzw. den Schlafsack.
- Sehr kalte Nächte: Einer hat das dicke Plumeau mit einer Übergangsdecke, der andere den Schlafsack mit der zweiten Übergangsdecke.

Da auf dem gesamten amerikanischen Kontinent andere Bettwäsche verwendet wird, als in Europa, hat man keine Möglichkeit Bettwäsche nachzukaufen! Der größte Nachteil des Schlafsacks ist sicherlich, dass man ihn - ohne Qualitätsverlust - in einer lateinamerikanischen Wäscherei nur schwer reinigen lassen kann.


AUTO

Anmeldung und TÜV des Fahrzeuges

Der ADAC hat mich darüber aufgeklärt, dass vom rechtlichen Standpunkt aus, das Reisefahrzeug in Deutschland angemeldet sein muss, auch wenn man sich im außereuropäischen Ausland bewegt. De facto interessiert sich jedoch kein Grenzer oder Polizist auf dem amerikanischen Kontinent dafür. Nachteil der Meldung in Deutschland ist, dass man jährlich die KFZ-Steuer bezahlen muss (jedoch keine Autoversicherung). Vorteil ist, dass man ganz offiziell den Fahrzeugschein behält, den man für die Grenzformalitäten benötigt. Sollte man während der Reise seine Reiseplanung ändern und zum Beispiel von Argentinien einen Abstecher nach Südafrika machen wollen, dann benötigt man plötzlich ein Carnet de Passage. Diese wird vom ADAC nur ausgestellt, wenn das Fahrzeug in Deutschland gemeldet ist. Sollte während der Durchquerung des amerikanischen Kontinents der TÜV abgelaufen sein, bekommt man jedoch von Unterwegs sein Auto nicht mehr angemeldet. Bei angemeldetem Fahrzeug mit abgelaufenem TÜV ist der Erhalt eines Carnet de Passage jedoch kein Problem. Für den (abgelaufenen) TÜV-Stempel auf unserem Nummernschild hat sich übrigens nie jemand in den Ländern interessiert. Alle Vorteile eines angemeldeten Autos hätte man übrigens auch, wenn man in Deutschland ein Saisonkennzeichen für einen Monat beantragt. Die Kosten für die Autosteuer wären dann nur noch ein Zwölftel der Jahressumme.

Kommt man ohne gültigen TÜV von der Reise zurück, dann muss man unverzüglich die nächste deutsche Prüfstation anfahren. Sollte man in Deutschland während der Fahrt von der Polizei angehalten werden, dann reicht eine schriftliche Bestätigung des Prüftermins aus. Eine rote Nummer benötigt man nicht, wenn das Fahrzeug weiterhin in Deutschland gemeldet ist.


WOHNKABINE

Gas

Wir verwenden Gas ausschließlich für Kocher und Backofen. Die 11 kg Flasche reicht bei intensiver Nutzung für sechs Monate. Man sollte sich unbedingt bereits in Deutschland einen Adapter besorgen, mit dem man deutsche Gasflaschen in den USA befüllen kann. Diesen gibt es unter anderem bei SeaBridge for Motorhomes. In den Vereinigten Staaten stößt man ab und zu auf Widerstände beim Befüllen der Flasche, da sie nicht dem US-Standard entspricht. In den anderen Staaten Lateinamerikas wurde problemlos mit dem Adapter gefüllt.

Bei der nächsten Reise würden wir auf jeden Fall statt einer 11 kg Flasche zwei 5 kg Flaschen mitnehmen. Wenn die eine Flasche leer ist, hat man ausreichend Zeit, nach einer Füllstation zu suchen. Derzeit überbrücken wir Gasengpässe, in dem wir über einen weiteren Adapter (erhältlich im "Home-Depot" in den USA) die kleinen grünen Coleman 465 Gramm-Einwegflaschen an unser Gassystem anschließen. Diese halten rund eine Woche. In USA sind diese überall erhältlich, in Zentralamerika im Wall-Mart. Rückblickend wäre es auch eine Überlegung gewesen, statt aus Deutschland eine Gasflasche mitzubringen, in USA Gasflaschen mit der in ganz Lateinamerika gängigen US-Norm zu besorgen. Ebenfalls bei SeaBridge for Motorhomes kann man einen Adapter kaufen, mit dem man amerikanische Gasflaschen an das deutsche System anschließen kann.

Toilette im Wohnmobil

Wenn immer möglich nutzen wir die sanitären Einrichtungen auf dem Campingplatz. In Zentralamerika und im Norden von Südamerika waren wir meist positiv überrascht vom sauberen Zustand der Toiletten. In Argentinien, Chile und Uruguay sind die sanitären Verhältnisse auf den Campingplätzen jedoch häufig grenzwertig schlecht. Zur Erhöhung der Hygiene kann man sich bereits in Deutschland Toilettensitze aus Papier besorgen, die man auf die Brille legt. In den USA kann man diese online bei "Office Depot" bestellen und an einen Campingplatz schicken lassen. Außerhalb der USA haben wir sie nur noch in Ecuador, Chile und Argentinien vereinzelt gesehen. Die Toilette im Auto nutzen wir fast ausschließlich fürs kleine Geschäft. Brauchbare Toilettenchemikalien findet man nirgendwo. Es gibt zwar Chemikalien in den USA, doch sind diese nicht für die kleinen Tanks europäischer Wohnmobile ausgelegt und zerstören die Dichtungsgummis. Als sehr gut hat sich Chlor im Fäkaltank herausgestellt. Zersetzt zwar nicht, verhindert aber Gerüche. Urinstein entfernt man sowohl in der Kunststoff-Toilettenschüssel, als auch im Tank sehr gut mit Essigreiniger.

Die Kassette kann man meist recht einfach in den Toiletten der Campingplätzen entleeren. Campt man längere Zeit in der freien Natur, dann sollte man für die Entsorgung ein tiefes Loch abseits menschlicher Behausungen graben und anschließend zuschütten. Das man diese Möglichkeit nicht in der Nähe von Trinkwasserreservoires nutzt, versteht sich wohl von selbst!

Bei unserer Thetford-Toilette haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Lebenserwartung der Kassette bei ununterbrochener Nutzung zwei Jahr beträgt. Danach muss man immer wieder mal den Schließmechanismus reparieren. Relativ früh haben wir bereits den Schwimmer innerhalb der Kasette entfernt, der den Füllstand anzeigt. Dieser setzte sich immer wieder mit Toilettenpapier zu und funktioniert dann sowieso nicht mehr. Die Erfahrung zeigt sowieso, dass man spätestens alle drei Tage die Kassette leeren muss. Als wertvollstes Ersatzteil hat sich die Gummidichtung der Verschlussklappe herausgestellt. Diese scheint sich stark durch die Veränderung des Luftdrucks in unterschiedlichen Höhen zu verwinden und wird dann undicht. Nachdem Reisefreunde von uns mal den Verschlussdeckel ihrer Kassette versehentlich in ein Dumploch gespült haben, haben wir auch davon Ersatz dabei. Bei der nächsten längeren Reise würde ich auf jeden Fall den Schließmechanismus (gibt es als komplette Ersatzteileinheit) mitnehmen.

Auf keinen Fall verzichten sollte man auf den Einbau des SOG-Systems! Unser Lüfter ging nach eineinhalb Jahren kaputt, doch wir bekamen problemlos aus Deutschland von der Firma Ersatz zugeschickt (in Deutschland nur möglich gegen Einsendung des kaputten Lüfters). Im Endeffekt haben wir herausgefunden, dass nur ein Kabel direkt am Lüftergehäuse gebrochen war.

Standheizung

Wir haben uns für eine Diesel-Standheizung entschieden, da der Kraftstoff problemlos zu bekommen ist und direkt aus dem Fahrzeugtank entnommen wird. Gasheizungen sind zwar häufig schneller und angenehmer, doch haben wir von anderen gehört, dass sie alle drei Wochen ihre Gasflaschen befüllen müssen. Diesel gibt es in Lateinamerika an jeder Ecke, Gasauffüllstationen nicht.

Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Heizung auch in den extremen Höhen der Anden funktioniert. Unsere Webasto-Heizung ging nach drei Wochen Heizen auf 2.200 Metern Höhe kaputt. Wegen der dünneren Luft stimmte das Verhältnis zwischen Diesel und Sauerstoff nicht mehr und hat die Brennkammer völlig verrußt. Zwei Dinge haben wir daraus gelernt: Erstens, die Heizung sollte auf jeden Fall komplett zu zerlegen sein. Nur weil bei uns die Heizeinheit verschraubt war, konnten wir sie öffnen, reinigen und wieder reparieren (Webasto hat uns hierbei mit Detailzeichnungen sehr gut unterstützt). Zweitens haben wir nun eine zweite Dieselpumpe parallel eingebaut, die nur 70 % der Dieselmenge in die Brennkammer einspritzt. Ab 2.000 Höhenmetern schalten wir auf die zweite Pumpe um. Diese funktioniert dann bis rund 3.800 Höhenmetern.

Generell lassen wir - unabhängig von der Außentemperatur - die Heizung mindestens einmal im Monat für rund eine Stunde laufen, um die Brennkammer frei zu brennen und um frischen Diesel in den Leitungen und in der Pumpe zu haben. Nach jedem Einsatz in der Höhe, heizen wir aus den gleichen Gründen noch mal auf niedrigen Höhen. Wir lassen die Heizung nie kürzer als eine ganze Stunde laufen. Häufiges An- und Ausschalten der Heizung kann zum Verrußen der Brennkammer führen.

Kühlschrank

Ein Kühlschrank kann nie groß genug sein. Es schadet keinem Lebensmittel, wenn es kühl gelagert wird. Doch viele Lebensmittel verderben, wenn sie zu warm gelagert werden. Statt in einen großen Stauraum für Konserven und sonstige Lebensmittel, haben wir lieber in den Platz für eine große Kühlbox investiert. Vergleicht man das Volumen von Kühlschrank und Kühlbox muss man bedenken, dass eine Kühlbox viel effizienter gepackt werden kann, als ein Kühlschrank und daher eine erheblich geringere Literzahl ausreicht.

Aufgrund der besseren Energieeffizienz würde ich eine Kühlbox immer einem Kühlschrank vorziehen. Da kalte Luft nach unten fällt, entweicht viel Kälte beim Öffnen der Kühlschranktür, während eine von oben zu öffnende Kühlbox kaum Kälte verliert. Wer zu Beginn in eine gut gedämmte Kühlbox investiert, spart nicht nur Geld beim Strom auf dem Campingplatz, sondern wird auch nicht so oft durch den Lärm des eingeschalteten Kompressors belästigt.

Wir haben uns für die 80 Liter Doppeltüren-Kühlbox von National Luna entschieden und sind hoch zufrieden. Die Energieeffizienz ist sehr gut, die Kühlleistung ebenfalls. Ausschlaggebend im Vergleich zur Engel-Kühlbox waren die leichter zu reinigenden Innenflächen. Man könnte einen der zwei Kühlräume auch als Gefriertruhe verwenden. Wir haben dies jedoch noch nie genutzt. Die Box ist so stabil, dass man sie problemlos als Sitzfläche nutzen kann. Wir hatten einmal ein Problem mit der Elektronik, das sich auch über den Austausch von Emails mit der Herstellerfirma in Südafrika nicht klären ließ. Der Schaden fiel in die zweijährige Gewährleistungsfrist und wir haben kostenlos die komplette Elektronik und alle Kabelbäume zugeschickt bekommen. Im Endeffekt lag der Schaden an einem gebrochenen Kabel.



Druckversion